„Ein Haus ohne Bücher ist arm, auch wenn schöne Teppiche seinen Boden und kostbare Tapeten und Bilder die Wände bedecken.“ Hermann Hesse

- “Rosendorn” von Jenna Black

- “Stadt aus Trug und Schatten” von Mechthild Gläser

- “Verraten” von Lili St. Crow

- “Mein böses Herz” von Wulf Dorn

- “Zirkel” von Sara B. Elfgren

- “Schatten des Dschungels” von Brandis & Ziemek

 

1. “Das Geheimnis des weißen Bandes: Der neue Sherlock-Holmes-Roman” von Anthony Horowitz

2. “Irrungen, Wirrungen” von Theodor Fontane

3. “Die Bestimmung” von Veronika Roth (Rezension folgt)

4. “Percy Jackson 05. Die letzte Göttin” von Rick Riordan

5. “Aleph” von Paulo Coelho

Liebe Leseratten, 

es tut mir leid, dass hier so lange Ruhe war, aber die Prüfungen haben mich in den letzten Wochen sehr vereinnahmt. Da nun Semesterferien sind, werde ich mich mehr meinem Blog widmen :-) Erstmal wird alles auch den neuesten Stand gebracht und dann werde ich auch wieder Rezensionen veröffentlichen. 

Liebe Grüße

Jule

Das Aleph ist „jene[r] Punkt, in dem sich alles zur selben Zeit an derselben Stell befindet.“ An diesem Punkt kann man sich in frühere Leben begeben, was aber nicht ungefährlich ist, denn Coelho meint, dass man ständig mit dem Lösen von Problemen vergangener Leben beschäftigt sei. So kann eine Reise in ein früheres Ich alte Probleme aufdecken, die einen ein ganzes Leben beschäftigen könnten.

Mit genau solchen Problemen kämpft Coelho in seinem neuen, stark autobiographisch geprägten Roman „Aleph“, denn in einem seiner früheren Leben ist er für etwas verantwortlich, das er sich nicht verzeihen kann. Seine damalige Entscheidung lässt ihn auch heute nicht los.

Hauptsächlich quält ihn zunächst die Routine, die in sein Leben eingekehrt ist. Trotz des erfolgreichen Schriftsteller Daseins, fühlt er sich unzufrieden, unglücklich und fragt sich welchen Sinn sein Leben hat. Fragen, die genau den Zeitgeist treffen, denn sie beschäftigen viele Menschen. Welchen Sinn soll man seinem Leben geben? Wie kann man Routine, die Gift für die Seele ist, unterbrechen? Coelho versucht es mit der Erfüllung eines lange gehegten Traumes: Eine Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn.

Doch die Reise steht auch symbolisch für eine Reise zu sich selbst. „Reisen ist niemals eine Frage des Geldes, sondern des Mutes.”, denn bei solch einer Reise lernt man ganz neue Facetten des eigenen Ichs kennen, selbst wenn man nur als Leser an Coelhos Seite mitreist. Die vielen interessanten Dialoge regen zum Nachdenken über verschiedene Themen an, die Coelho auch in seinen früheren Werken thematisiert: Religion, Spiritualität, Mystik, aber auch Liebe, Leid, Schuld und Vergebung. Es werden immer wieder kleine, berührende und sehr eingängige Geschichten erzählt, die viel mehr über das Leben aussagen, als es zunächst den Anschein hat. Mit diesen Geschichten gelingt es ihm, seine philosophischen und religiösen Gedanken und Überzeugungen sehr gut vorstellbar und anschaulich darzustellen.

Der Glaube an das Aleph, an Gott und an eine allgegenwärtige Magie ist in Coelho tief verwurzelt, das wird auf jeder Seite des Romans, in jedem Dialog und in jedem Gedanken des Protagonisten deutlich. Doch weder versucht er seine Mitreisenden, noch seine Leser davon zu überzeugen, sondern erzählt einzig aus seinem Leben. Das macht das Lesen auch für Anders- oder Nichtgläubige zu einem eingehenden Erlebnis, denn man fühlt sich nicht gezwungen sich für seine eigenen Einstellungen zu rechtfertigen.

Der flüssige Schreibstil, die vielen Dialoge und die interessante Geschichte um Coelho und die junge Hilal, die ihn begleitet, machen den Roman anregend, lehrreich und eindrucksvoll zugleich. Einige Passagen stimmen sehr nachdenklich, andere lassen den Leser schmunzeln, so dass die Geschichte auch immer wieder aufgelockert wird.

„Mit Aleph beginnt ihr Leben neu“ lautet der Slogan der Werbekampagne um Paulo Coelhos neuen Roman. Nach der Lektüre begann mein Leben zwar nicht neu, jedoch habe ich viele Anregungen zum Nachdenken gewonnen, was für mich ein großes Glück darstellt, ganz nach Coelhos Motto: „Leben bedeutet, gewohnte Pfade zu verlassen, sich immer wieder auf den Weg zu machen und sich neu zu entdecken.“

Vielen Dank an lovelybooks und den Diogenes Verlag für das Leserundenexemplar!

Diogenes

309 Seiten

Aleph” auf amazon.de

Verlangen wir zu viel vom Leben, wenn wir glücklich sein wollen? Eine glückliche Kindheit, ein glückliches Leben, Glück in der Liebe und im Beruf? Macht dieses Streben nach Glück unser Leben wirklich lebenswert?

Obwohl Veronika vieles davon hatte, nimmt sie absichtlich und geplant eine Überdosis an Schlaftabletten. Doch der Suizidversuch misslingt und sie wacht in Vilette, der städtischen Psychiatrie, wieder auf. Die Ärzte geben ihr nur noch wenige Tage oder Wochen, denn die Tabletten haben Veronikas Herz irreversibel geschädigt…

„Veronika beschließt zu sterben“ ist die Romanverfilmung des gleichnamigen Buches Paulo Coelhos, der in seinem Werk autobiographische Erfahrungen verarbeitet, da er selbst als junger Mann dreimal in die Psychiatrie eingewiesen wurde. Wie auch Coelhos „Der Alchimist“ ist die Geschichte um die junge Veronika sehr philosophisch. Es werden viele Fragen über das Leben und Sterben gestellt, aber auch über Religion und Spiritualität, und danach, was „normal“ und was „verrückt“ ist.

Vom ursprünglichen Handlungsort Ljubljana der Nachkriegszeit wurde die Handlung des Filmes in das heutige New York verlegt. Dies könnte zwar der Steigerung der Aktualität und der besseren Identifikation mit der Protagonistin dienen, doch nimmt es der Geschichte schon von vornherein einen Teil der Atmosphäre. Es stellt sich die Frage, ob denn jede Geschichte in den USA spielen muss? Wo doch auch Osteuropa ein interessanter Schauplatz sein kann, wie das Buch beweist. Auch ohne die Auslagerung der Geschichte würde das Thema aktueller denn je wirken.

Verkörpert wird Veronika durch die US-amerikanische Schauspielerin Sarah Michelle Gellar, bekannt vor allem aus Horrorfilmen. Der schizophrene Edward, der neben der Protagonistin eine bedeutende Rolle spielt, wird durch Jonathan Tucker dargestellt. Beide Schauspieler verstehen es durch Blicke und Gesten mehr auszudrücken als durch Worte. Aber auch David Thewlis, der den Psychiater Dr. Blake spielt, wird seiner Rolle gerecht.

© Capelight

„Veronika beschließt zu sterben“ ist der erste internationale Film der Regisseurin Emily Young. Man merkt von Beginn an, dass sie sich auf einzelne Stilmittel festgelegt hat, um eine tiefe, ruhige und berührende, aber auch aufwühlende Atmosphäre zu schaffen. So stehen Großaufnahmen von Gesichtern oder einzelner Gesichtspartien im Vordergrund. Schnelle Bildwechsel werden meistens unterlassen, diese Darstellungsweise ist lediglich für die Verbildlichung des Todes gedacht. Auf schrille und kräftige Farben wird weitestgehend verzichtet, so dass gedeckte Farben dominieren. Zusammen mit der bewussten Verwendung von Unschärfe tragen diese sehr zu einer ruhigen Stimmung bei, so dass sich Veronika und der Zuschauer auf das Wesentliche konzentrieren können.

Das Wesentliche – das sind im Roman die eindrucksvollen und tiefsinnigen Dialoge. Im Film versuchte man dies zu übernehmen. Allerdings hatte ich den Eindruck, dass man die „besten“ Zitate heraus gerissen hat, um dann die komplette Geschichte zu erzählen. In dieser Hinsicht enttäuscht der Film, denn ein Mehr an Worten ist keinesfalls nachteilig. Vielmehr führt es den Rezipienten zur Erkenntnis, so dass er über sein Handeln und Denken reflektieren kann. Das gelingt dem Film leider nicht.

Überhaupt fehlt ihm durch die blassen Nebenfiguren und die dadurch fehlenden Dialogen die Tiefe, die das Buch einzigartig und berührend macht. Diesen Verlust kann der Film durch schöne Bilder und eine wunderbare Musik leider nicht wieder gut machen.

Die Filmmusik ist der beeindruckendste Aspekt des Filmes. Mit Tönen und Akkorden wurde, genau wie mit Bildern, sparsam umgegangen, so dass ein zarter und bittersüßer Soundtrack entsteht. In den wunderschönen Melodien tauchen ab und zu enharmonische Töne auf, die an Veronikas Schicksal, den nahenden Tod, erinnern und auch Beklemmung hervorrufen.

„Veronika beschließt zu sterben“ ist somit eine Romanverfilmung, die zwar schön anzusehen ist, durch ihre angenehmen Bilder und etwas aus der Mode geratene Kulisse. Doch die wirkliche, berührende Tiefe fehlt. Einen Hauch davon bringt die überaus gelungene Filmmusik zurück, dennoch bleibt der Film in seiner Bedeutung nur ein schemenhaftes Abbild seiner Vorlage.

Veronika beschließt zu sterben. USA: 2009/2010. Regie: Emily Young. Romanvorlage: Paulo Coelho.

Veronika beschließt zu sterben” (DVD) auf amazon.de

100 Jahre lang war Nikki in der Unterwelt. Sie diente Cole als Nahrung, der als Ewiglicher die Gefühle von Menschen braucht, um ewig zu leben. Als sie auf die Erde zurückkehrt sind, gerade einmal sechs Monate vergangen und alle denken, dass Nikki einfach abgehauen ist. Doch nun hat sie nur noch sechs Monate Zeit, bevor die Unterwelt sie für immer zurück holt. Eigentlich hatte Nikki schon mit ihrem Leben abgeschlossen, aber da begegnet ihr Jack wieder. Er ist Nikkis große Liebe, nur die Sehnsucht nach ihm hat sie die 100 Jahre überstehen lassen…

„Ewiglich die Sehnsucht“ ist der Debütroman der amerikanischen Autorin Brodi Ashton. Er bildet den Beginn der „Ewiglich“-Trilogie um die 17jährige Nikki, den unsterblichen Cole und Jack, der Nikki niemals aufgegeben hat.

Schon die ersten Seiten weben eine eigentümliche, etwas dunkle Atmosphäre, denn Nikki erwacht nach der Nährung aus einem Kokon aus Schatten. Sie kann sich nur an den Namen „Jack“ erinnern, an nichts weiter. Genauso mysteriös und spannend gestaltet sich die gesamte Geschichte. Mit Jack erscheint ein Funken Hoffnung, der immer größer und immer verzweifelter wird, denn die Unterwelt holt sich zurück, was ihr gehört.

In Cole hat Jack einen starken Gegenspieler, denn Cole will Nikki zur Königin der Unterwelt machen. Durch die 100 gemeinsamen Jahre verbindet auch sie ein starkes Band. Doch obwohl Cole als der „Böse“ erscheint, wird deutlich, wie einsam er ist. Er wird, genau wie die anderen Charaktere, vielschichtig dargestellt, so dass man auch seine Motive nachvollziehen kann.

Trotz Nikkis anfänglicher Gefühlsarmut kann man sich gut mit ihr identifizieren. Der Leser ahnt ihre Trauer und fragt sich, was Furchtbares passiert sein muss, das Nikki zu solch einem verzweifelten Schritt veranlasst hat. Doch die Hoffnung steht im Mittelpunkt des Romans, so dass die Atmosphäre nicht zu bedrückend wird.

Den besonderen Reiz des Romans machen für mich die Elemente der griechischen Mythologie aus. So steht die gesamte Geschichte unter dem Motiv „Orpheus und Eurydike“ und deren grenzenlose Liebe, die sogar den Tod überwindet. Aber auch die Königin der Unterwelt Persephone spielt eine, in ihrer Bedeutung noch nicht abzusehende Rolle. Die Autorin versteht es meisterhaft, diese mythologischen Elemente mit dem Leben eines Teenagers an einer amerikanischen Highschool verschmelzen zu lassen.

Durch diese Melange aus Antike und Moderne und dem Thema der ewigen Liebe ist „Ewiglich die Sehnsucht“ eine Geschichte, die nicht nur junge Leser begeistern wird. Zusammen mit Romanen wie „Göttlich verdammt“ und der Reihe um „Percy Jackson“ erschließt sie nach Vampiren, Werwölfen und neben den Dystopien ein neues Feld der Jugend- und All-Age-Literatur.

Ich bin gespannt, wie sich die Geschichte um Nikki, Cole und Jack, nach einem überaus dramatischen und überraschenden Ende weiter entwickelt und warte sehnsüchtig auf die Fortsetzung, die voraussichtlich im Januar 2013 erscheinen wird.

Vielen Dank an den Oetinger Verlag  für das Rezensionsexemplar!

379 Seiten

Oetinger

“Ewiglich die Sehnsucht” auf amazon

Vorab ist zu sagen, dass ich vor „Das Geheimnis des weißen Bandes“ noch keinen Sherlock Holmes-Roman gelesen habe. Doch die Filme im Kino und Fernsehen (die BBC-Miniserie) machten mich neugierig, so dass ich schon seit längerem vorhatte ein Buch des berühmten Detektivs zu lesen. Mit der Leserunde auf lovelybooks.de bot sich die perfekte Gelegenheit :-).

Inhalt (von lovelybooks):

Am Abend eines ungewöhnlich kalten Novembertages im Jahr 1890 betritt ein elegant gekleideter Herr die Räume von Sherlock Holmes‘ Wohnung in der Londoner Baker Street 221b. Er wird von einem mysteriösen Mann verfolgt, in dem er den einzigen Überlebenden einer amerikanischen Verbrecherbande erkennt, die mit seiner Hilfe in Boston zerschlagen wurde. Ist der Mann ihm über den Atlantik gefolgt, um sich zu rächen? Als Holmes und Watson den Spuren des Gangsters folgen, stoßen sie auf eine Verschwörung, die sie in Konflikt mit hochstehenden Persönlichkeiten bringen wird und den berühmten Detektiv ins Gefängnis, verdächtigt des Mordes. Zunächst gibt es nur einen einzigen Hinweis: ein weißes Seidenband, befestigt am Handgelenk eines ermordeten Straßenjungen …

Meine Meinung:

Mit „Das Geheimnis des weißen Bandes“ erscheint ein neuer Roman um Sherlock Holmes, den genialsten Detektiv überhaupt. Allerdings stammt dieses Werk nicht von Arthur Conan Doyle, sondern vom international erfolgreichen Autor Anthony Horowitz.

Besonders am Anfang fiel mir die gewählte, etwas altertümliche Sprache auf, die ich mit Holmes und der Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert verbinde. Dadurch wird eine ganz eigentümliche Stimmung geschaffen, die für mich immer nach Aufbruch und Veränderung klingt. Die Sprache „normalisierte“ sich im Verlauf des Romans leider auf heutige Verhältnisse, was ich bedauere. Jedoch liest sich der Roman von Anfang bis Ende sehr flüssig.

Die Geschichte ist sehr spannend und dramatisch. Es ist nicht abzusehen, welche Richtung der Fall nehmen wird, denn immer wenn man glaubt der Lösung ein Stück näher zu sein, entpuppt sich dies als Irrtum, Sackgasse oder falsche Fährte. Holmes ahnt oder weiß die meisten Zusammenhänge natürlich schon viel früher, während der Leser und Watson sich Stück für Stück durch den Sumpf von Hinweisen, Intrigen und Lügen arbeiten.

Mit Dr. Watson erzählt eine sehr sympathische Figur die Geschichte. Watson ist glücklicherweise nicht so furchterregend intelligent wie Holmes, so dass man ihm in Gedanken sehr gut folgen kann. Außerdem ist er sehr engagiert und erweist sich als wahrer Freund, so dass er sehr liebenswürdig erscheint und man sich in ihn hineinversetzen kann.

Die Idee die Geschichte als Watson Erbe, dass erst nach 100 Jahren geöffnet werden darf, zu präsentieren fand ich sehr überzeugend, denn es erklärt plausibel warum die Geschichte erst jetzt erscheint und bettet sie in die anderen Sherlock Holmes-Romane ein. Die Begründung, dass die Geschichte so furchtbar ist, dass sie damals nicht veröffentlicht werden konnte mag stimmen, denn die Lösung des Falls ist wirklich grauenvoll und leider aktueller denn je…

Anthony Horowitz hat mit „Das Geheimnis des weißen Bandes“ einen ungemein spannenden Kriminalroman geschaffen, der durch eine mitreißende und dramatische Geschichte, eine angenehme Sprache und einem sehr sympathischen Dr. Watson überzeugt!

Vielen Dank an lovelybooks und den Insel Verlag für das Rezensionsexemplar!

350 Seiten

Insel Verlag

“Das Geheimnis des weißen Bandes” auf amazon

Seit dem Tod seines Zwillingsbruders überlebt Christian mehr, als dass er wirklich lebt. Seine Zeit verbringt er allein, am liebsten auf einem Hügel in der Nähe des örtlichen Friedhofs. Als er eines Abends drei schwarz gekleidete Gestalten trifft, ist er fasziniert und erschreckt zu gleich. Wer sind sie und was machen sie nachts auf dem Friedhof? Um Mitglied in der Clique namens „Retrum“ zu werden, muss Christian eine Mutprobe bestehen. Doch was als Spiel beginnt, endet tödlich…

Mit „Retrum“ hat der spanische Autor Francesc Miralles einen atmosphärisch dichten und düsteren Roman geschaffen, der die Magie und Schönheit von Friedhöfen beschreibt.

Die Aufmachung des Buches ist sehr auffällig. Mit dem schwarzen Buchschnitt und den Grabsteinen und Kreuzen auf dem Cover bekommt man schon einen ersten Eindruck der Geschichte, denn diese gestaltet sich ebenfalls düster und geheimnisvoll.

Anfangs lernt man Christian kennen, der in seiner eigenen traurigen Welt lebt. Die Stimmung ist von Beginn an bedrückend, denn Christian fühlt sich schuldig am Tod seines Bruders. Mit seiner melancholischen, zurückhaltenden Art ist er sehr sympathisch. Man kann seine Gefühle gut nachvollziehen, so dass man schnell mit ihm mitfühlt.

Aber auch die anderen Figuren sind interessant. Allen voran die geheimnisvollen „Blassen“, wie sich Alexia, Lorena und Robert nennen. Auf Friedhöfen laufen sie schwarz gekleidet und weiß geschminkt herum und versuchen von den Toten Antworten zu bekommen.

Im Mittelpunkt des ganzen Romans steht das Thema Tod, das aus vielen verschiedenen Perspektiven betrachtet wird. Einerseits kann der Tod viel zu früh kommen, wie im Falle von Christians Bruder, und Schmerz und Leid hervorrufen. Andererseits bringt der Tod aber auch Ruhe und Frieden. Viele solcher Betrachtungen werden angestellt. Am Anfang eines jeden Kapitels stehen Zitate, die die Themen Tod und Sterben im Mittelpunkt haben, so dass auch die romantische und künstlerische Seite des Themas zum Ausdruck kommen.

Allerdings störten mich, die kurzen Kapitel von meist nur drei bis vier Seiten. Ich fühlte mich dadurch des Öfteren aus dem Lesefluss gerissen, denn häufig findet zwischen zwei Kapiteln ein Zeitsprung statt, so dass man sich immer wieder auf neue Situationen einstellen muss.

Der Autor versteht es jedoch eine dunkle, manchmal gruselige und bedrückende Atmosphäre zu kreieren. Die Stimmung auf Friedhöfen, von Gefahr bis Romantik, überträgt sich auf den Leser, so dass „Retrum“ während des Lesens fesselt.

Im letzten Drittel der Geschichte steigern sich die Spannung und ein Hauch von Grusel sehr, so dass man mit Christian mitfiebert. Jedoch empfand ich dieses Ende durch eine teilweise Vorhersehbarkeit als etwas enttäuschend. Es kam sehr abrupt und wirkte auf mich eher unrealistisch. Einige Fragen blieben offen und werden wohl erst in den folgenden Bänden beantwortet.

Insgesamt ist „Retrum“ eine durchaus spannende Geschichte mit einigen Schwächen, aber einer sehr dichten Atmosphäre.

Retrum in Internet: RetrumFans (Klick)

Vielen Dank an lies und lausch und den Loewe Verlag für das Leserundenexemplar!

Loewe

345 Seiten

“Retrum” auf amazon

gelesen im Dezember

Folgende Bücher las ich im Dezember 2011:

1. “Das Buch der Schattenflüche: Scary City 1″ von Michael Borlik (Rezension folgt)

2. “Blutbraut” von Lynn Raven

3. “Ewiglich die Sehnsucht” von Brodi Ashton (Rezension folgt)

4. “Retrum” von Francesc Miralles

5. “Grimm” von Christoph Marzi

Die grausame Königin Malronce holt zum entscheidenden Schlag gegen die Kinder aus: Sie zieht all ihre Truppen zusammen um einen endgültigen Krieg zu führen. Doch das wollen Matt und Ambre verhindern. Seit Tobias vom Torvaderon verschlungen wurde sind sie nur noch zu zweit. Schließlich müssen auch sie sich trennen, denn jeden erwartet seine eigene, schwere Aufgabe…

Im dritten Alterra-Band „Alterra – Der Krieg der Kinder“ des französischen Autors Maxime Chattam findet die Geschichte um Matt, Ambre und Tobias einen packenden und dramatischen Höhepunkt.

Schon Band eins und zwei der Reihe ließen ahnen, dass der dritte Roman die Entscheidung bringt – Kinder oder Zynics, Gut oder Böse, Unschuld oder Schuld. So verhält es sich auch, doch bis zum Ende bleibt die Geschichte spannend, unentschieden und teilweise auch brutal, denn der Titel ist wörtlich zunehmen, da die Kinder wirklich Krieg führen und dabei viele von ihnen sterben oder verletzt werden.

Doch auch viele Geheimnisse werden nun gelüftet, so erfährt man z.B. was es mit der mysteriösen Karte auf Ambres Körper oder mit dem Torvaderon auf sich hat.

Interessant und traurig zugleich ist es zu sehen, wie erwachsen Matt, Ambre und Tobias in ihrem Denken und Handeln geworden sind, obwohl sie eigentlich noch halbe Kinder sind. Jeder der drei zeigt seine Stärken und beweist Mut. Der Schreibstil Chattams ist gewohnt angenehm zu lesen, so dass die Seiten während des Lesens nur so verfliegen.

„Der Krieg der Kinder“ ist in allen Hinsichten eine Steigerung gegenüber den ersten beiden Bänden: Die Geschichte ist dramatischer, spannender und fesselnder, aber auch brutaler und tragischer.

Aus diesem Grund und da der Roman sehr zum Denken bezüglich seines eigenen Verhaltens gegenüber der Natur und dessen Konsequenzen anregt, halte ich „Alterra“ für kein ausschließliches Jugendbuch. Es spricht auch Erwachsene an, denn es animiert zum Umdenken. In dieser Hinsicht ist das Ende ganz besonders gut gelungen. Es vermittelt eine wichtige Botschaft auf sehr ansprechende und interessante Art und Weise.

Aber „Der Krieg der Kinder“ soll nicht der letzte Teil von „Alterra“ sein. Der Autor hat vier weitere Bände geplant, die in der Welt nach dem Sturm spielen werden.

Vielen Dank an den pan-Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

432 Seiten

pan

“Alterra – Der Krieg der Kinder” auf amazon

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