„Ein Haus ohne Bücher ist arm, auch wenn schöne Teppiche seinen Boden und kostbare Tapeten und Bilder die Wände bedecken.“ Hermann Hesse


Auf den ersten Blick wirkt Finley Jane wie eine normale junge Frau, die im viktorianischen London lebt und sich ihren Lebensunterhalt als Dienstmädchen verdient. Doch wer sich mit ihr anlegt, wird schnell feststellen, dass Finley alles andere als normal ist, denn sie hat eine dunkle Seite, die ihr enorme Kräfte verleiht und jede Menge Ärger einbrockt! Als Finley dadurch zum wiederholten Mal ihre Anstellung verliert, landet sie bei Griffin, einem jungen und sehr sympathischen Adligen, der ähnlich außergewöhnliche Fähigkeiten besitzt, wie sie selbst. Zusammen mit ihm und seinen Freunden versucht Finley herauszufinden, wer die seltsamen Anschläge verübt, in die normalerweise friedliche Automaten verwickelt sind. Dabei läuft sie immer wieder dem charmanten Gauner Jack Dandy über den Weg, zu dem sie sich ebenfalls hingezogen fühlt…

„Das Mädchen mit dem Stahlkorsett“ von Kady Cross ist der erste Roman der fünfbändigen Steampunkreihe um die außergewöhnliche Finley Jane und ihre Freunde.

Was mir bei der Taschenbuchausgabe gleich positiv auffiel, war der Bonus„Prolog“. Da dieser über 100 Seiten lang ist, kann man schon von einer zusätzlichen Geschichte sprechen (die in der gebundenen Ausgabe nicht vorhanden ist). Sie ist in sich geschlossen und steht der folgenden Geschichte in Sachen Spannung und Dramatik in nichts nach, sodass der Prolog eine Bereicherung für das Buch darstellt. Allerdings merkt man während der folgenden Geschichte doch, dass der Prolog nachträglich eingefügt wurde, denn einige Einzelheiten passen nicht zusammen. Wahrscheinlich wäre es für den Verlag zu aufwendig, die Geschichte noch einmal zu überarbeiten. Es hätte jedoch das Buch abgerundet und im Detail stimmig gemacht.

Die Geschichte um Finley Jane spielt in einer Steampunkwelt, d.h. dass Automaten (z.B. solche, die putzen oder Essen servieren) und technische Erfindungen eine Rolle spielen, die es damals noch nicht gegeben hat oder die es auch heute nicht gibt, die aber dringend erfunden werden sollten ;) Diese technischen Errungenschaften fügen sich allerdings so selbstverständlich in die Geschichte ein, dass mir Staub wischende Automaten (ich stelle sie mir wie Roboter vor) keineswegs seltsam vorkamen. Wer noch keinen Steampunkroman gelesen hatte, sollte sich dies unbedingt tun, denn so eigenwillig es vielleicht klingt, so spannend sind diese ganzen, neuen Möglichkeiten!

Finley, als Protagonistin, war mir von Anfang an sympathisch. Sie ist eine starke junge Frau, die keine Angst hat (und das in einer von Männern dominierten Gesellschaft). Dabei hilft ihr ihre dunkle Seite, die Fluch und Segen gleichzeitig ist. Aber Finley hat auch ihre schwachen Momente und eine verletzliche Seite, wodurch ich gut mit ihr mitfühlen konnte. In ihr streiten viele Gefühle und Gegensätze: Gut oder Böse, richtig oder falsch, Griffin oder Jack…

Diese innerlichen Gegensätze machen die Gesichte sehr spannend, denn es ist meistens nicht vorauszusehen, wie sich Finley verhält. Glaubt man einmal herausgefunden zu haben, in welche Richtung sich der Roman entwickelt, sieht man sich mit neuen, unerwarteten Wendungen konfrontiert. Dabei sind die spannende und überraschende Geschichte und deren Umgebung atmosphärisch dicht beschrieben, wodurch ich mich beinahe in das viktorianische London versetzt fühlte.

Ich freue mich daher sehr auf den zweiten Teil „Das Mädchen mit dem Flammenherz“, der bereits im Mai erschienen ist.

4,5

Vielen Dank an den Heyne Verlag und die Kinderbuchlotsen für das Leserundenexemplar!

464 Seiten

„Das Mädchen mit dem Stahlkorsett“ bei Heyne bestellen

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Kommentare zu: "„Das Mädchen mit dem Stahlkorsett“ von Kady Cross [Rezension]" (1)

  1. […] “Das Mädchen mit dem Stahlkorsett” (Steampunk Chroniken #1) von Kady […]

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