„Ein Haus ohne Bücher ist arm, auch wenn schöne Teppiche seinen Boden und kostbare Tapeten und Bilder die Wände bedecken.“ Hermann Hesse

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„Die drei Leben der Tomomi Ishikawa“ von Ben Constable [Rezension]


Tomomi Ishikawa hat sich umgebracht. So steht es zumindest in ihrem Abschiedsbrief an Ben. Doch warum tauchen immer wieder Botschaften, Rätsel, E-Mails und Nachrichten auf, die Ben durch ganz Paris und New York führen? Ist Tomomi vielleicht gar nicht tot? Und können die Dinge, die sie in ihren Briefen erzählt, stimmen?
Eine spannende Jagd durch zwei Großstädte beginnt, bei der sich bald die Frage stellt: Wer war Tomomi wirklich? Eine Serienmörderin? Oder nur eine begabte Lügnerin? Ben weiß bald nicht mehr, was Wahrheit und was Fantasie ist…

„Die drei Leben der Tomomi Ishikawa“ ist der rasante Debütroman Ben Constables über „seine“ ungewöhnliche Freundschaft zu Tomomi Ishikawa.

Nach der Leseprobe auf Vorablesen.de war ich gespannt auf die Geschichte um Ben und Tomomi. Diese versprach bewegend, interessant und vor allem ungewöhnlich zu werden, denn schon ihr erster Brief an Ben lässt erahnen, dass Tomomi keine gewöhnliche junge Frau ist.

Dies wird in den weiteren Botschaften und Briefen schnell bestätigt, die wunderbar spannend und fesselnd geschrieben sind. Innerhalb der ganzen Geschichte waren es diese kleinen Geschichten, die mich am meisten begeistert haben. Sie sind so interessant, dramatisch und unberechenbar, dass ich mich auf jede Einzelne freute. Im Gegensatz zur restlichen Geschichte zogen sie mich in ihren Bann. Dem Autor ist es sehr gut gelungen, zwei verschiedene Personen erzählen zu lassen. Doch während mich Tomomi mit ihren Erzählungen fesselte, vermochte Ben das nicht so sehr.

Die Städte und Bens Jagd nach den Hinweisen und Briefen sind zwar liebevoll beschrieben worden, doch hat mich das ganze leider weniger erreicht als ich erwartet und gehofft hatte. Ben ist etwas seltsam und eigenbrötlerisch, wodurch ich mich wenig in ihn hineinversetzen konnte und es einen gefühlten Abstand zwischen mir und dem Geschehen gab. Dieses Eintauchen in eine andere Welt liebe ich am Lesen so sehr und das fehlte mir in dieser Geschichte, wenn es um Ben ging.

Der Schreibstil und die Sprache ließen sich, bis auf einige seltsame Gespräche Bens, gut und angenehm lesen. Der Atmosphäre lastete aber immer dieser gewisse Abstand an, den ich nicht so mochte, obwohl wunderschöne Orte in Paris und New York beschrieben wurden.

Insgesamt gefielen mir der Anfang und die Mitte der Geschichte mit Bens Schnitzeljagd durch die Metropolen. Auch die Idee Wirklichkeit und Fiktion mit und durch den Namen des Autors und Gespräche innerhalb des Buches zu verknüpfen finde ich interessant. Allerdings war mir das Ende zu abgehoben und unglaubwürdig. Ich frage mich noch immer, warum eine schöne Geschichte mit einer tollen Grundidee so ein seltsames und meines Empfindens unpassendes Ende haben muss…

3,5

Vielen Dank an logo_script5 und vorablesen_logo für das Rezensionsexemplar.

„Die gestohlene Zeit“ von Heike Eva Schmidt [Rezension]


Auf einer Bergwanderung im Jahr 1987 findet Emma einen geheimnisvollen Ring, nichtsahnend, dass dieser dem sagenhaften Zwergenkönig Laurin gehört. Zwei Mitreisende nehmen ihr den Schmuck ab und türmen, doch auf einmal taucht eine Horde Zwerge auf, die Emma in Laurins unterirdisches Reich verschleppen. Dort trifft sie Jonathan, ebenfalls ein Gefangener des Königs. Gemeinsam gelingt ihnen die Flucht, aber Laurin belegt sie mit einem grausamen Fluch. Zurück in der Oberwelt stellt Emma schockiert fest, dass inzwischen fast 30 Jahre vergangen sind. Um den Fluch zu lösen, müssen sie und Jonathan den Ring wiederfinden – aber wie sollen sie die beiden Diebe nach all den Jahren ausfindig machen? (Quelle: http://www.droemer-knaur.de/buch/7782669/die-gestohlene-zeit)

In „Die gestohlene Zeit“ erzählt Heike Eva Schmidt die Geschichte einer Bergwelt, die ungeahnte Gefahren bereithält, einer unerwarteten Zeitreise sowie Liebe und Freundschaft, die die Grenzen der Zeit überschreiten.

Auf „Die gestohlene Zeit“ war ich gespannt, da mich „Purpurmond“ von Heike Eva Schmidt begeistert hat. Ich mochte ihre Art zu erzählen und die tolle Geschichte sehr. Gute Voraussetzungen also für das neue Buch. Einziges Manko: Zwerge interessieren mich nicht so besonders.  Doch meine Befürchtungen zerstreuten sich schnell, da die Geschichte nicht sehr zwergenlastig ist :) Ein Teil der Handlung spielt zwar im Zwergenreich, allerdings ist dieser recht kurz.

Auch in diesem Buch konnte mich die Autorin wieder mit einer tollen Idee begeistern, auf der die Geschichte beruht: In unterschiedlichen Welten vergeht die Zeit unterschiedlich schnell – Was passiert mit Menschen, zwischen diese Welten geraten? Auf dieser Zeitreisekomponente liegt auch das Hauptaugenmerk, glücklicherweise nicht auf den Zwergen.

Die Geschichte gestaltet sich als überraschend, denn immer wieder war ich von unvorhersehbaren und spannenden Wendungen verblüfft. Die Richtung der Geschichte lässt sich erahnen, der Weg zum Ziel ist jedoch mit vielen Hürden und unerwarteten Wendungen gespickt.

Mit der sympathischen Protagonistin Emma machte ich ein wahres Gefühlschaos durch, denn immer wenn etwas einigermaßen nach Plan läuft, taucht eine neue Komplikation auf. Zusammen mit Jonathan und einer neuen Freundin macht sie sich daran, diese Probleme zu lösen. Die Figuren dabei zu begleiten macht viel Spaß, denn alle drei haben einen eigenen Charme und Humor. Sie wuchsen mir schnell ans Herz, sodass ich regelrecht mit ihnen mitfieberte, denn böse Gegenspieler gibt es wahrlich genug…

Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, denn neben der spannenden Geschichte, gefiel mir der lockere und mit lustigen Sprüchen gespickte Schreibstil sehr. Jonathan, mit seiner gestelzten Art zu reden, sorgte dafür, dass ich oft schmunzeln musste.

Auch der Ausklang von „Die gestohlene Zeit“ war nach meinem Geschmack: Die Geschichte ist nicht abrupt zu Ende, sondern gibt noch einen kleinen Ausblick in die folgenden Monate. Ich erfahre gern, wie es den Figuren nach ihrem großen Abenteuer geht.

Alles in allem hat mir „Die gestohlene Zeit“ rundum gefallen! Es ist eine spannende und lustige Zeitreisegeschichte, voller unerwarteter Wendungen. Ich hoffe auf weitere so tolle Bücher von Heike Eva Schmidt.

5Vielen Dank an   für das Rezensionsexemplar!

„Die gestohlene Zeit“ bestellen: Klick!

„speechless“ von Hannah Harrington [Rezension]


Neuigkeiten verbreiten, über andere reden – Gossip-Girl Chelsea liebt es. Als sie auf einer Party Zeugin einer intimen Situation wird, erzählt sie natürlich allen davon. Mit schrecklichen Folgen: Ihr Mitschüler Noah wird so zusammengeschlagen, dass er im Koma landet. Daraufhin ermittelt die Polizei und Chelsea wird von allen gemieden. Um ihren Fehler nicht zu wiederholen, legt sie ein Schweigegelübde ab, genau wie der buddhistische Mönch, über den sie gelesen hat. Manche hassen sie dafür aber plötzlich öffnen sich in ihrer stillen Welt Türen: zu einem wunderbaren Jungen, zu Menschen, die ihr verzeihen könnten. Vorausgesetzt, sie kann sich selbst verzeihen.

In „speechless“ erzählt Hannah Harrington eine ungewöhnliche Geschichte darüber, was es für Folgen haben kann, wenn Tratsch und Gerüchte keine Grenzen der Privatsphäre kennen.

Manchmal ist es besser zu schweigen. Doch das kann Chelsea überhaupt nicht, erst recht nicht nach mehreren Jelly Shots. Gleich zu Beginn erzählt sie ohne nachzudenken ihre neusten Enthüllungen, was schwerwiegenden Konsequenzen hat. Durch ihr völlig unüberlegtes Handeln und ihr Lechzen nach Aufmerksamkeit (besonders bei ihrer Freundin Kristen) war mir Chelsea anfangs sehr unsympathisch. Allerdings ist sie in der Lage ihr falsches Handeln zu reflektieren und zu einem couragierten Entschluss zu gelangen, der für sie selbst unangenehme Konsequenzen bereithält. Durch diese unterschiedlichen Charakterzüge zeichnet die Autorin ein realistisches Bild eines Mädchens, das sich selbst noch finden muss. Dieses Bild verändert sich im Laufe der Geschichte langsam. Als Leser begleitet man diesen Entwicklungsprozess, der sehr interessant zu lesen und mitzuerleben ist.

Chelseas ungewöhnliche Idee für unbestimmte Zeit zu schweigen, machte mich sehr neugierig. Von der Umsetzung wurde ich nicht enttäuscht: Es treten erwartungsgemäß Probleme mit Eltern und Lehrern auf, aber andere Personen überraschten Chelsea und mich, durch Offenheit und Akzeptanz. Am meisten aber überraschte Chelsea mit ihrer Selbstreflexion und ihrer daraus resultierenden Wandlung.

Trotz des ernsten Themas lässt sich der ungezwungene Schreibstil Harringtons sehr gut lesen. Viele lustige Gedanken und Einschätzungen von Chelsea, lockern die Geschichte immer wieder auf, auch wenn sie selbst nicht viel zu lachen hat. Ihre Mitschüler meiden sie, da sie über fast jeden irgendwann einmal getratscht hat. Das Thema des Buches sehe ich daher auch weniger im Mobbing, denn das Chelsea Ablehnung erfährt, nachdem sie viele Mitschülerinnen und Mitschüler bloßgestellt hat, ist verständlich, mal abgesehen von den hinterhältigen Aktionen ihrer früheren „Freunde“. Vielmehr ist „speechless“ meiner Meinung nach eine Geschichte um Verantwortung, denn Chelsea muss erkennen, dass man für Dinge, die man tut und sagt selbst verantwortlich ist und die Konsequenzen abwägen muss. Es ist aber auch eine Geschichte über Freundschaft, Liebe und den Mut, etwas Ungewöhnliches zu wagen.

„speechless“ ist ein Buch, das mich sehr zum Nachdenken angeregt hat, und das ich uneingeschränkt weiterempfehlen kann!

5

Vielen Dank an

BdB-logo-small2 &  für das Rezensionsexemplar!

„speechless“ bestellen: Klick!

„Heller als ein Stern“ von Celia Bryce


Als die 14-jährige Megan wegen eines Hirntumors auf der Krebsstation des örtlichen Krankenhauses eingeliefert wird, fühlt sie sich zwischen all den Kindern fehl am Platz. Nur Jackson ist im gleichen Alter, aber er ist so ganz anders als sie: Er sprüht vor Energie, die Kinder lieben ihn und einigen Schwestern geht er gehörig auf die Nerven mit seinen Ausflügen durchs ganze Krankenhaus.

Mit der Zeit wächst zwischen den beiden eine tiefe Freundschaft. Doch Megan und Jackson wissen, dass ihr Leben am seidenen Faden hängt. So stehen beiden schwere Operationen bevor, die über Leben und Tod entscheiden…

In „Heller als ein Stern“ erzählt Celia Bryce die emotionale Geschichte einer Freundschaft, die in einem ganz unerwarteten Moment wächst. Sie hat mich an vielen Stellen be- und gerührt, denn sie geht wirklich sehr tief.

Ich habe die Geschichte in einem emotional ziemlich angeschlagenen Zustand gelesen und gefühlte zwei Drittel des Buches geschnieft und dabei unzählige Taschentücher verbraucht^^ Deshalb kann ich nur empfehlen das Buch zu lesen, wenn es euch relativ gut geht, sonst kann die Lektüre ein bisschen anstrengend werden, denn weglegen konnte ich das Buch auch wieder nicht. Ich wollte wissen, wie es mit Megan und Jackson weitergeht. Manchmal war es schon sehr bedrückend, aber es gab auch immer wieder lustige, herzliche und schöne Momente.

Mit Megan und Jackson hat die Autorin zwei Charaktere geschaffen, die sehr unterschiedlich mit ihrer Krankheit umgehen. Während Megan zunächst versucht die Existenz des Tumors zu leugnen und oft launisch und mürrisch ist, begegnet Jackson jeden Tag mit einer positiven Einstellung, die ansteckend wirkt und mich beeindruckt hat.

Aber auch die Figuren um die beiden herum sind etwas ganz Besonderes. Da gibt es zum Beispiel den uralten Opa von Megan, der immer versucht seine Enkelin aufzubauen und zum Lächeln zu bringen, ein kleines, schwer krankes Mädchen, dass sich Hering nennt und Schwestern mit rauer Schale und weichem Kern. Die Geschichte lebt von ihren unterschiedlichen und interessanten Charakteren und den Gesprächen zwischen diesen.

Da die Geschichte nicht von Megan selbst erzählt wird, sondern von einem Erzähler, der das Mädchen begleitet, hat man als Leser einen gewissen Abstand, sodass die Geschichte emotional nicht zu anstrengend wird. Man kann mit Megan mitfühlen, durchleidet aber nicht jeden Schmerz mit ihr. Das wäre für meinen Geschmack auch zu viel gewesen. Durch den ernsten, nüchternen Erzählstil, der dennoch viel Raum für Gefühle lässt, wird dieses Verhältnis von Abstand und Nähe unterstützt.

„Heller als ein Stern“ ist nicht nur eine spannende, traurige, interessante und berührende Geschichte. Sie regt besonders durch Jackson, der trotz seiner Krankheit so glücklich ist und für andere da ist, zum Nachdenken über die eigenen Einstellungen und Ansichten an.

4

Dank an BdB-logo-small2 und den bloomoon Verlag für das Rezensionsexemplar!

„Heller als ein Stern“ bestellen

„Herzblut – Gegen alle Regeln“ von Melissa Darnell [Rezension]


Savannah fühlt sich zu Tristan hingezogen, seit sie in der vierten Klasse „geheiratet“ haben. Doch seitdem ist viel passiert. Die Clann-Clique, zu der auch Tristan gehört, hasst Savannah und lässt sie das an jedem Tag spüren. Als Savannah sich zu verändert beginnt und dunkle Kräfte in ihr erwachen, erfährt sie, warum Tristan für sie verboten ist und warum der Clan sie hasst. Doch beide spüren eine innere Verbindung, die immer stärker wird. Allerdings könnte Savannah zu einer tödlichen Gefahr für den Jungen werden, den sie liebt…

„Herzblut – Gegen alle Regeln“ ist der Debütroman von Melissa Darnell und der Auftakt einer spannenden Reihe um Liebe, Magie und Blutsgeheimnisse.

Die Geschichte beginnt mit einem Ausschnitt aus dem Ende der Erzählung, wodurch der Einstieg sehr spannend und dramatisch ist. Allerdings geht es nach diesem Prolog erst einmal ruhiger weiter, denn man lernt die Protagonisten Savannah und Tristan, deren Freunde und den Schulalltag kennen, der für Savannah kein Vergnügen ist.

Sie wird vom Clann gemobbt und als „Freak“ bezeichnet. Besonders dramatisch ist diese Geschichte, weil sie mit den Leuten, die sie beschimpfen früher befreundet war und sich deren Benehmen von einem Tag auf den anderen änderte, ohne dass Savannah den Grund kennt. Diese Demütigungen mitzuerleben, ist sehr traurig, weil man quasi in Savannahs Haut steckt und merkt, wie die Beleidigungen sie verletzen. Die Mobbingsituation wird erschreckend realistisch dargestellt, was wahrscheinlich daran liegt, dass die Autorin ähnliche Erfahrungen gemacht hat, wie Savannah (das wird im Interview am Ende des Buches beschrieben).

Insgesamt ist die Geschichte interessant und spannend, auch wenn es mal wieder um Hexen und Vampire geht, denn diesmal ist die weibliche Hauptperson die gefährliche. Allerdings ist die Geschichte auch etwas vorhersehbar, da man sich schon denken kann, dass Savannah und Tristan gegen die Regeln verstoßen und dass das Konsequenzen hat…

Das Lesen aus unterschiedlichen Perspektiven (meistens liest man aus Savannahs Sicht, ab und zu aber auch aus Tristans) bietet eine angenehme Abwechslung. Außerdem erfährt man dadurch, aus welchen Motiven heraus die Personen handeln, was oft sehr aufschlussreich ist.

Der Schreibstil liest sich sehr angenehm und fesselnd. Es wird sehr klar und gradlinig erzählt, was es mir sehr leicht machte die Geschichte zu lesen. Die Atmosphäre ist dicht, geheimnisvoll und besonders am Ende auch gefährlich. An einigen Stellen zieht sich die Geschichte ein bisschen hin, was durch die Perspektivwechsel jedoch gut überbrückt wird.

„Herzblut“ hat mir ein paar schöne Lesestunden beschert, denn die Geschichte ist spannend (wenn auch manchmal vorhersehbar) und wird von sympathischen Figuren erzählt, mit denen ich gut mitfühlen konnte. Ich freue mich auf den zweiten Teil „Herzblut – Stärker als der Tod“, der im September gedruckt erscheint (das E-Book kann man bereits herunterladen).

3,5

Vielen Dank an MIRA und BdB-logo-small2 für das Rezensionsexemplar!

„Herzblut“ kann hier bestellt werden

„Lagunenrauner“ von Gunnar Kunz [Rezension]


Von LizzyNet aus durfte ich „Lagunenrauner“ von Gunnar Kunz rezensieren.

Meine Rezension findet ihr hier: Klick!

4,5

Vielen Dank an LizzyNet und den Thienemann Verlag für das Rezensionsexemplar!

432 Seiten

„Lagunenrauner“ im Thienemann-Shop bestellen

„Das Mädchen mit dem Stahlkorsett“ von Kady Cross [Rezension]


Auf den ersten Blick wirkt Finley Jane wie eine normale junge Frau, die im viktorianischen London lebt und sich ihren Lebensunterhalt als Dienstmädchen verdient. Doch wer sich mit ihr anlegt, wird schnell feststellen, dass Finley alles andere als normal ist, denn sie hat eine dunkle Seite, die ihr enorme Kräfte verleiht und jede Menge Ärger einbrockt! Als Finley dadurch zum wiederholten Mal ihre Anstellung verliert, landet sie bei Griffin, einem jungen und sehr sympathischen Adligen, der ähnlich außergewöhnliche Fähigkeiten besitzt, wie sie selbst. Zusammen mit ihm und seinen Freunden versucht Finley herauszufinden, wer die seltsamen Anschläge verübt, in die normalerweise friedliche Automaten verwickelt sind. Dabei läuft sie immer wieder dem charmanten Gauner Jack Dandy über den Weg, zu dem sie sich ebenfalls hingezogen fühlt…

„Das Mädchen mit dem Stahlkorsett“ von Kady Cross ist der erste Roman der fünfbändigen Steampunkreihe um die außergewöhnliche Finley Jane und ihre Freunde.

Was mir bei der Taschenbuchausgabe gleich positiv auffiel, war der Bonus„Prolog“. Da dieser über 100 Seiten lang ist, kann man schon von einer zusätzlichen Geschichte sprechen (die in der gebundenen Ausgabe nicht vorhanden ist). Sie ist in sich geschlossen und steht der folgenden Geschichte in Sachen Spannung und Dramatik in nichts nach, sodass der Prolog eine Bereicherung für das Buch darstellt. Allerdings merkt man während der folgenden Geschichte doch, dass der Prolog nachträglich eingefügt wurde, denn einige Einzelheiten passen nicht zusammen. Wahrscheinlich wäre es für den Verlag zu aufwendig, die Geschichte noch einmal zu überarbeiten. Es hätte jedoch das Buch abgerundet und im Detail stimmig gemacht.

Die Geschichte um Finley Jane spielt in einer Steampunkwelt, d.h. dass Automaten (z.B. solche, die putzen oder Essen servieren) und technische Erfindungen eine Rolle spielen, die es damals noch nicht gegeben hat oder die es auch heute nicht gibt, die aber dringend erfunden werden sollten ;) Diese technischen Errungenschaften fügen sich allerdings so selbstverständlich in die Geschichte ein, dass mir Staub wischende Automaten (ich stelle sie mir wie Roboter vor) keineswegs seltsam vorkamen. Wer noch keinen Steampunkroman gelesen hatte, sollte sich dies unbedingt tun, denn so eigenwillig es vielleicht klingt, so spannend sind diese ganzen, neuen Möglichkeiten!

Finley, als Protagonistin, war mir von Anfang an sympathisch. Sie ist eine starke junge Frau, die keine Angst hat (und das in einer von Männern dominierten Gesellschaft). Dabei hilft ihr ihre dunkle Seite, die Fluch und Segen gleichzeitig ist. Aber Finley hat auch ihre schwachen Momente und eine verletzliche Seite, wodurch ich gut mit ihr mitfühlen konnte. In ihr streiten viele Gefühle und Gegensätze: Gut oder Böse, richtig oder falsch, Griffin oder Jack…

Diese innerlichen Gegensätze machen die Gesichte sehr spannend, denn es ist meistens nicht vorauszusehen, wie sich Finley verhält. Glaubt man einmal herausgefunden zu haben, in welche Richtung sich der Roman entwickelt, sieht man sich mit neuen, unerwarteten Wendungen konfrontiert. Dabei sind die spannende und überraschende Geschichte und deren Umgebung atmosphärisch dicht beschrieben, wodurch ich mich beinahe in das viktorianische London versetzt fühlte.

Ich freue mich daher sehr auf den zweiten Teil „Das Mädchen mit dem Flammenherz“, der bereits im Mai erschienen ist.

4,5

Vielen Dank an den Heyne Verlag und die Kinderbuchlotsen für das Leserundenexemplar!

464 Seiten

„Das Mädchen mit dem Stahlkorsett“ bei Heyne bestellen

„Gallagher Girls 01: Spione küsst man nicht“ von Ally Carter [Rezension]


Cammie geht auf die Gallagher Akademie für hochbegabte junge Mädchen. Doch dies ist keine gewöhnliche Schule, denn an der Gallagher Akademie werden unter höchster Geheimhaltung die Spioninnen und Agentinnen von morgen ausgebildet! So beherrscht Cammie 14 verschiedene Sprachen, kann sich perfekt Tarnen und knackt in ihrer Freizeit die kompliziertesten Codes, doch als sie dem süßen Josh begegnet, weiß sie nicht, wie sie sich verhalten soll…

„Spione küsst man nicht“ von Ally Carter ist der erste Band der Gallagher-Girls-Reihe, um die angehende Agentin Cammie und ihre Freundinnen, die zusammen die Gallagher Akademie besuchen.

Die Idee der Geschichte interessierte mich sofort: Im Gegensatz zu den üblichen James-Bond-Spionen geben hier die Mädels den Ton an! Mit ihrem Charme, der sich aus Intelligenz, Witz aber auch Unwissenheit in bestimmten Bereichen des Lebens (Jungs) zusammensetzt, überzeugten sie mich und brachten mich oft zum Schmunzeln.

Die Geschichte entpuppt sich schon nach den ersten Seiten als sehr niedlich und lustig, denn egal wie intelligent die Mädchen auch sind, in Sachen Jungs sind sie total ahnungslos. Glücklicherweise gibt es einen Neuzugang in der Akademie, der quasi auf das Thema spezialisiert ist und scheinbar gar nicht zu den anderen Gallagher-Girls passt…

Jedoch ist dieses Mädchen Cammie, der Tochter der Schulleiterin, eine große Hilfe, denn Cammie hat quasi ihr halbes Leben in der Mädchenschule verbracht. Dass das Leben als Agent oder Agentin gefährlich ist, hat sie bereits am eigenen Leib erfahren, denn ihr Vater ist während einer Mission gestorben. Dadurch hat die Geschichte auch hin und wieder eine traurige und gefährliche Note, was einen guten und realistischen Kontrast zur lustigen Geschichte bietet.

Manchmal fand ich diese ein bisschen albern, da sich ein relativ großer Teil von „Spione küsst man nicht“ darum drehte, wie Josh beschattet oder der Familienmüll „analysiert“ wird. Ich hätte mir stattdessen etwas mehr professionelle Spionagearbeit gewünscht, denn das haben die Mädchen absolut drauf, wie sich am Ende der Geschichte herausstellt. Dieses Ende hat mich begeistert, denn es wartete mit Spannung und Überraschungen auf, die so auch schon in den Mittelteil der Geschichte gepasst hätten.

Insgesamt gefiel mir die Geschichte gut. Sie ließ sich leicht, schnell und kurzweilig lesen. Da die Mädchen im nächsten Schuljahr weiterhin das Fach „Geheimoperationen“ belegen können, sehe ich nicht nur Potenzial für deren Entwicklung, sondern auch (was die Spannung betrifft) für die nächsten Bände.

3,5

Vielen Dank an BdB-logo-small2 und den Planet Girl Verlag für das Rezensionsexemplar!

304 Seiten

„Spione küsst man nicht“ bei Thienemann bestellen

„Glits“ von Robert Wolfe [Rezension]


Jay ist ein Einzelgänger, der sich hinter seiner Musik vor der Welt versteckt. Rachel hingegen ist ständig aggressiv und lässt sich nichts sagen, erst recht nicht von Erwachsenen. Doch vom Glits sind beide gleichermaßen fasziniert. Der Glits ist ein Wesen, dessen Stimme klingt, als würden Wale singen und durch das man beinahe hindurchsehen kann. Es ist geheimnisvoll, faszinierend und verändert die Menschen in seiner Umgebung. Für den Geheimdienst stellt es eine Bedrohung dar, für die Presse ist eine Sensation. Doch was will es? Und warum kann es nur von wenigen Menschen verstanden werden?

„Glits“ von Robert Wolfe ist ein ungewöhnliches Buch. Es erzählt die aufwühlende Geschichte eines Wesens, das die Erde besucht, um die Menschen kennenzulernen und dabei möglicherweise mehr über uns lernt, als wir selbst zu wissen glauben.

Von Anfang an ist die Geschichte verwirrend und rätselhaft. Was ist der Glits für ein Wesen? Wo kommt er her? Wo geht er hin? Bis zum Ende stellen sich viele Fragen, von denen viele offenbleiben und zum Nachdenken anregen. Da der Glits die Menschen kennenlernen will, hat der Roman philosophische Züge. Ich fragte mich oft, was der Glits wohl für Erfahrungen gewonnen hat und was uns Menschen ausmacht.

Die Umsetzung des Themas ist dabei durch und durch ungewöhnlich. Der Glits selbst ist ein Element, das aus einem SciFi-Roman stammen könnte, trotzdem wirkt die Geschichte fast immer realistisch. So wird der Umgang des Geheimdienstes und der Presse mit dem außergewöhnlichen Wesen sehr glaubhaft dargestellt.

Neben der Haupthandlung baut der Autor immer wieder kleine Randgeschichten in den Roman ein, die wie Momentaufnahmen wirken. Es wird z.B. das kurze Leben eines Habichts und dessen Bedeutung für die Geschichte beschrieben oder ein Foto, dass seinen Betrachter auch noch Jahre nach der Aufnahme berührt.

Allerdings hätte ich mir gewünscht, die Protagonisten Jay und Rachel besser kennenzulernen. Mich hätte interessiert, warum Rachel so aggressiv ist, was sie so wütend macht und wie es mit den beiden Jugendlichen weitergeht.

„Glits“ ist definitiv anders. Anders als viele Bücher mit fantastischen Elementen, die zurzeit erscheinen und anders, als herkömmliche SciFi-Romane. Es ist ein bisschen verrückt und abgedreht, aber gerade diese Eigenart, gemischt mit dem philosophischen Grundtenor, gefiel mir sehr gut.

Wenn man sich auf die ungewöhnliche Handlung einlassen kann und akzeptiert, dass man nicht alles versteht und erfahren wird, wird man eine besondere, berührende und schöne Geschichte entdecken.

4

Vielen Dank an den Thienemann Verlag und Lies und Lausch für das Leserundenexemplar!

288 Seiten

„Glits“ im Thienemann Onlineshop kaufen

„Dann press doch selber, Frau Dokta!“ von Dr. Josephine Chaos [Rezension]


Als Frauenärztin schon wieder ungeplant schwanger?! Eine wahre Geschichte, noch lustiger als die Schwarzwaldklinik …

»Ich schwöre: Ich bin lieb! Wirklich! Aber mit Nierenschalen zu werfen – das geht dann doch ein bisschen zu weit. Also schrei ich: ›Frau Pharma? FRAU PHARMA! Es reicht jetzt! Pressen Sie mal, statt hier so rumzufurien!‹ Frau Pharma ist das aber so was von egal!
›Ich press nich mehr, Frau Dokta! Ich will JETZT ´nen Kaiserschnitt! Abba sofoooort!‹
Dann wirft sie mir noch eine ganze Batterie von Schimpfwörtern an den Kopf, deren Bedeutung ich erst googlen muss, bevor sie – und JETZT wird es lustig – einfach aufsteht und davonstürmt …« 

Ärzte sind auch nur Kollegen im Kittel: Erleben Sie die Klinik als verrücktes Großraumbüro mit strengen Oberschwestern, attraktiven Chefärzten und vielen tollen Geburten! (Quelle: Fischerverlage.de)

In „Dann press doch selber, Frau Dokta!: Aus dem Klinik-Alltag einer furchtlosen Frauenärztin“ erzählt Dr. Josephine Chaos Geschichten aus ihrem Job als Gynäkologin, die für ihr Leben gern in einer mittelgroßen Klinik irgendwo in Deutschland arbeitet.

Zurzeit erscheinen recht viele Bücher in denen Lehrer und Ärzte, die mitunter bloggen, von Erlebnissen aus ihrem Berufsleben erzählen. Bis „Dann press doch selber, Frau Dokta!“ hatte ich noch kein solches Buch gelesen, denn so richtig spannend und interessant klangen sie für mich nicht. Als sich mir jedoch die Chance bot Dr. Chaos Geschichte zu lesen, wollte ich mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen, was sich wirklich gelohnt hat!

Anfangs empfand ich den Schreibstil durch Äußerungen, wie das häufige „Ächt jetzt!“ und ziemlich lange Sätze als gewöhnungsbedürftig. Jedoch werden diese nach der Einführung in Dr. Chaos Berufs- und Familienleben deutlich kürzer, sodass sich die Geschichte flüssig lesen lässt. Ab genau diesem Zeitpunkt packte mich das Lesefieber!

Dr. Chaos erzählt nämlich so voller Leidenschaft von den lustigen, anstrengenden, ekligen und wunderschönen Momenten als Frauenärztin, dass ich nicht mehr aufhören konnte zu lesen. Sie gibt z. B. die Dialoge mit Patientinnen und Kollegen sehr direkt wieder, ergänzt um ihre eigenen Gedanken, die einen recht trockenen Humor widerspiegeln und mich oft laut zum Lachen brachten. Es hat einfach Spaß gemacht zu lesen, wie unterschiedlich und unmöglich Frauen in einer solchen Ausnahmesituation, wie der Geburt eines Kindes, reagieren (siehe Frau Pharma). Aber auch ihr eigenes Familienleben und die vierte ungeplante Schwangerschaft kommentiert Frau Dr. Chaos wunderbar amüsant.

Ein wenig störte mich, dass Dr. Chaos an den meisten ihrer Kollegen kaum ein gutes Haar lässt. Die eine ist zu weinerlich, der andere zu faul, die nächste nur auf ihr Äußeres bedacht. Im Laufe der Geschichte wird jedoch klar, dass zumindest der Chef und der Anästhesist sympathisch sind, und die eine oder andere Schwester und Hebamme ebenfalls.

Als sehr interessant empfand ich es, die „andere Seite“ der Geburtsstation kennenzulernen. Durch Geburtsberichte von bloggenden Müttern, Serien im Fernsehen von werdenden Müttern sowie aus Erzählungen meiner Eltern und Großeltern kenne ich zwar indirekt die Seite der „Gebärenden“, aber der Blickwinkel von der anderen Seite des Stuhls ist aufschlussreich und spannend (denn es kann auch eine Menge schief gehen).

Insgesamt hat mir „Dann press doch selber, Frau Dokta“ sehr gefallen, denn die Mischung aus hektischem und überraschendem Klinikalltag, Schwangerschaftsbeschwerden, der sympathischen und lustigen Familie und dem (nach einem etwas holprigen Beginn) herrlich nüchternen Schreibstil hat mich gefesselt und gut unterhalten.

Unter http://josephinechaos.wordpress.com/ könnt ihr in das Leben und die Geschichten von Frau Dr. Chaos reinschnuppern. Dort erzählt sie ihre lustigen, bewegenden und manchmal unglaublichen Erlebnisse.

4

Vielen Dank an den Fischer Verlag für das Rezensionsexemplar!

256 Seiten

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