„Ein Haus ohne Bücher ist arm, auch wenn schöne Teppiche seinen Boden und kostbare Tapeten und Bilder die Wände bedecken.“ Hermann Hesse

„Ich wünschte, ich könnte dich hassen“ von Lucy Christopher [Hörbuchrezension]


„Ich wünschte, ich könnte dich hassen“ Hörprobe

Ty hat Gemma entführt. Weg vom Flughafen, von dem ihre Eltern mit ihr verreisen wollten. Weg von ihrem Leben, von London. Weg von allem, was sie kannte, mitten hinein in die heiße, staubige und gefährliche Wüste Australiens. Dort hat er für sie beide ein Haus gebaut und wartet darauf, dass Gemma sich in ihn verliebt. Und – so geschieht es…

In „Ich wünschte, ich könnte dich hassen“ von Lucy Christopher erzählt die Geschichte einer Entführung. Dramatisch, sensibel und erschreckend schön.

Der Titel „Ich wünschte ich könnte dich hassen“ drückt für mein Empfinden eine ganz Reihe starker Gefühle aus. Einerseits diese Verzweiflung, dass man weiß, was man empfinden müsste, nämlich Hass aber andererseits das Fehlen eben dieses Hasses. An dieser Stelle scheint ein anderes Gefühl zu sein. Sympathie? Verständnis? Vielleicht sogar Liebe?

Mit diesen Fragen begegnete ich also dem Hörbuch und stellte gleich zu Beginn fest, dass die Stimme der Sprecherin Anne Weber dieses Gefühl der Verzweiflung perfekt ausdrückt. Sie spricht ruhig, intensiv und eine Spur hoffnungslos, was sehr zum Inhalt des Buches passt.

Die Geschichte selbst ist erschreckend: Ein 16-jähriges Mädchen wird von einem jungen Mann in den australischen Outback verschleppt und muss dort mit ihm leben. Vermutlich ist diese Idee gar nicht so weit hergeholt, wenn man an einige schlimme Berichte über Entführungen denkt.

Der Roman ist sehr gut durchdacht und erscheint dadurch sehr realistisch. Als besonders interessant und intensiv empfand ich den Umgang zwischen Gemma und Ty. Wie verhält man sich seinem Entführer gegenüber? Gemma tut das, was wahrscheinlich jeder machen würde, sie versucht zu fliehen, was so weit draußen jedoch sinnlos ist…

Sie ist also gezwungen bei Ty zu bleiben, der sie gestohlen hat. Ich finde Lucy Christopher hat das Verhalten Gemmas sehr überzeugend dargestellt, man kann das Mädchen verstehen, leidet und hofft mit ihr.

Die Geschichte ging mir sehr nahe, denn sie ist so wirklichkeitsnah dargestellt. Außerdem ist es so widersinnig, wie geduldig und freundlich Ty meistens ist, aber auch wieder nicht, denn er hat Gemma ja nicht „einfach so“ entführt…

„Ich wünschte, ich könnte dich hassen“ gab und gibt mir eine Menge Stoff zum Nachdenken, denn auch das Ende wurde nicht verschönt dargestellt, sondern nachvollziehbar und ist somit ein passender Abschluss der Geschichte.

Alles in allem hat mich Gemmas Brief, denn aus dieser Perspektive berichtet sie, schockiert, erstaunt, erschüttert und auch auf eine Weise fasziniert. So einen Einblick in die Geschichte einer Entführung erhält man nicht in vielen Büchern, nicht in dieser Intensität. Ich kann mir niemand besseren als Anne Weber als Sprecherin für das Hörbuch vorstellen, denn sie hat den Gefühlen und den Personen genau die richtigen Stimmen verliehen, wodurch Gemma und Ty für mich sehr lebendig wurden.

Eine gelungene Mischung und ein absolut empfehlenswertes Hörbuch!

5

Vielen Dank an den SILBERFISCH HÖRBUCHVERLAG, für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

SILBERFISCH

gekürzte Lesung

4 CDs, ca. 317 Minuten

„ICH WÜNSCHTE, ICH KÖNNTE DICH HASSEN“ AUF AMAZON

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