„Ein Haus ohne Bücher ist arm, auch wenn schöne Teppiche seinen Boden und kostbare Tapeten und Bilder die Wände bedecken.“ Hermann Hesse

„Der Fürst des Nebels“ von Carlos Ruiz Zafón [Rezension]


„Der Fürst des Nebels“ des spanischen Autors Carlos Ruiz Zafón erzählt die geheimnisvolle Geschichte von Max, seiner Familie und dem mysteriösen Nebelfürsten, der sein Unwesen treibt, die Familie bedroht und fast um Verstand und Leben bringt.

Max, seine Eltern und seine beiden Schwestern Irina und Alicia ziehen von der Stadt in ein Dorf an der Küste, um den Krieg hinter sich zu lassen. Schon am ersten Abend entdeckt Max den seltsamen Skulpturengarten, den er am nächsten Morgen besucht, um festzustellen: Etwas stimmt nicht! Der steinerne Clown, der gerade noch die Faust ballte, streckt nun die Finger aus, nachdem Max für einen Moment nicht hinsah. Beängstigend, genau, wie die seltsame Katze die Irina aufgelesen hatte und die Max anstarrten zu schien. Bald darauf lernt Max Roland kennen und schließlich auch dessen (Zieh-) Großvater, der ein dunkles Geheimnis hütet, denn er weiß was all die seltsamen Geschehnisse zu bedeuten haben. Er kennt den Fürsten des Nebels.

Die Geschichte um Max und den Nebelfürsten spielt 1943, zu Zeiten des 2.Weltkriegs. Die Familie verlässt die Stadt, denn in dem kleinen Küstendorf hielten sie es für sicherer. Was wahrscheinlich aufgrund der Bombenabwürfe, besonders über großen Städten, richtig war. Der Krieg wird im Buch ab und zu thematisiert, z. B. erzählt Roland, dass er nach dem Sommer eingezogen werde (wo er gerade 16 Jahre alt ist). Ein weiteres Thema, das im Buch behandelt wird, sind die Beziehungen innerhalb der fünfköpfigen Familie. Max, 13 Jahre alt, und Alicia, 15, verstehen sich anfangs kaum, streiten oft. Er denkt sie sei einfach nur zickig, bis er erkennt, dass seine Schwester ihre ganz eigenen Probleme hat, die größer zu sein scheinen als seine eigenen. Max macht Roland und Alicia bekannt und lernt seine Schwester dadurch von einer ganz anderen Seite kennen. Schließlich verstehen die beiden sich viel besser und Max merkt, dass er Alicia vorher kaum kannte, obwohl sie ihr ganzes Leben unter einem Dach lebten.

„Der Fürst des Nebels“ ist ein äußert spannendes und aufreibendes Buch. Zafón beschreibt die Geschehnisse mit einer ungewöhnlichen Intensität, sodass einen das Buch gefangen nimmt. Man kann es kaum aus der Hand legen, muss es aber tun, um ein Mal tief Luft zu holen und dann weiter zu lesen. Die Atmosphäre wird durch viele, aber nicht zu viele, Adjektive so dicht beschrieben, dass sich in einem Moment Bilder der Entspannung (z.B. der Sandstrand und das blaue Meer) vor dem inneren Auge abspielen, um sich im nächsten Moment mit absoluten Grauen abzuwechseln (beispielsweise als Irina unfreiwillig in den Wandschrank sieht). Dieser Wechsel passiert mehrmals hintereinander, bis man mit den Nerven fast am Ende ist. Glücklicherweise folgen solch fesselnden, grusligen Szenen, ruhigere, die trotzdem alles andere als langweilig wirken, eher entspannend um kurz danach wieder Spannung aufzubauen. Durch den auktorialen Erzähler steht nicht nur Max im Mittelpunkt der Geschichte, sonder jede Figur mindestens einmal. Dieser kleine Perspektivwechsel bringt interessante Details zum Vorschein und gibt dem Leser neue Rätsel auf.

Alles in allem ist „Der Fürst des Nebels“ ein rundum gelungenes Buch, nicht nur für Jugendliche, sonder auch für „Erwachsene“ Es ist sehr geeignet, wenn man sich ein bisschen gruseln und eine spannende Geschichte lesen möchte.

Anmerkungen zur Ausgabe: Es handelt sich um eine neu überarbeitete Auflage des Erstlingswerks von Zafón. Außerdem hat das Buch ein Lesebändchen, was ich sehr schön und praktisch finde. „Der Fürst des Nebels“ ist der Auftakt zur Nebel-Trilogie. Es folgen die Bücher „Der Mitternachtspalast“ und „Der dunkle Wächter“.

5

270 Seiten

Fischer FJB

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