„Ein Haus ohne Bücher ist arm, auch wenn schöne Teppiche seinen Boden und kostbare Tapeten und Bilder die Wände bedecken.“ Hermann Hesse

„Scherbenmond“ von Bettina Belitz [Rezension]


Der Sommer ist lange vorbei. Genauso scheint es um Ellie zu stehen. Seit Monaten ist Collin verschwunden, nichts hat sie mehr von ihm gehört. Gab es ihn überhaupt wirklich? Oder hat sie alles nur geträumt? Doch das ist noch nicht alles: Auch Ellis Vater ist verschwunden. Er ist einfach nicht aus Italien wiedergekommen, schon viel zu lange. Nun ist es an Ellie, ihren Bruder zurückzuholen, doch schon bald nach ihrer Ankunft in Hamburg muss sie feststellen, dass etwas ganz und gar nicht stimmt…

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne (… )“, wie Hermann Hesse so schön sagte. Solch ein Zauber steckt für mich meist im ersten Band einer Trilogie oder einer Reihe, sodass es für die folgenden Bände immer eine Herausforderung ist, dem Ersten gerecht zu werden.

„Splitterherz“ ist für mich ein grandioser Auftaktroman, denn in ihm steckt so viel mehr als nur eine Liebesgeschichte. Er erzählt von einem Mädchen, dass sich sein halbes Leben lang selbst verleugnet hat und erst mit Hilfe eines etwas anderen „junge“ Mannes zu sich selbst zurück und in ihm ihre große Liebe findet. Außerdem ist „Splitterherz“ spannend, gruselig, romantisch sowieso und erzählt von Figuren, die ebenso fantastisch, wie gefährlich sind und Colin, der sich seinem Schicksal nicht ergibt, sondern sein Leben selbst bestimmt, egal was er ist.

Dementsprechend waren meine Erwartungen an „Scherbenmond“ hoch. Auch wenn ich versuchte sie nicht so weit oben anzusetzen, um nicht enttäuscht zu werden, war ich sehr gespannt auf den zweiten Teil der Trilogie. Während des Lesens stellte ich dann fest, das „Scherbenmond“ eigentlich ganz anders ist als sein Vorgänger, denn Ellie ist reifer geworden.

Während im ersten Teil eher beschrieben wurde, wie die beiden sich verlieben, steht Ellie doch nun mehr im Vordergrund, auch weil Collin und Ellies Vater nicht da sind.

So wird sie mit ihren Stärken und Schwächen, von denen es besonders am Ende viel zu lesen gibt, dargestellt und entwickelt sich auch im Buch immer weiter.

Bettina Belitz schafft es, die Figuren nicht nur starr darzustellen, keine Momentaufnahmen, sondern es ist immer ein Ausschnitt aus deren Leben, ein Stück gemeinsamer Geschichte sozusagen. Das finde ich immer wieder wunderbar, denn es ist etwas ganz Besonderes eine Figur so kennenzulernen, als wäre sie ein Freund, beinahe menschlich. Auch dies war ein Grund, warum ich mich so auf „Scherbenmond“ freute.

Ich empfand es als schön, nicht mehr von einem Teenager Mädchen, das Ellie für mich in Band eins war, zu lesen, sondern von einer jungen, selbstbewusst Frau, die Ängste hat und diese überwindet.

Einzig den Anfang der Geschichte fand ich etwas schleppend. Ellie denkt viel nach über Collin, sich und ihren Vater, was prinzipiell auch interessant ist, doch war ich das von „Splitterherz“ her nicht so gewohnt. Man kann es aber auch als Zeichen von Ellies Reifungen sehen, denn sie handelt nicht mehr von jetzt auf gleich sondern überlegter.

Insgesamt ist die Atmosphäre der Geschichte sehr viel düsterer als im ersten Band, teilweise sogar richtig gruselig, auch verschiedene Weisen. Zweifel und Gefahr begleiten Ellie, den Leser und Tillmann die ganze Geschichte über. Oft befiel mich beim Lesen auch Trauer, denn es geschehen Dinge, die wohl niemand erwartet hätte…

Und trotzdem musste ich so oft lachen, richtig doll sogar, während ich las, obwohl das scheinbar im Gegensatz zur meiner vorherigen Aussage steht. Doch Bettina Belitz schreibt auf so eine Weise, die Situationskomik, Wortwitz und bissige Kommentare vereint, die einfach herrlich ist (Stichwort Hämorrhoidencreme). Ich liebe diese Art von Komik, die ich bisher bei keinem anderen Autor entdeckt habe, denn sie wirkt so natürlich, als würde sie einfach zu Ellie und vielleicht auch zur Autorin selbst gehören.

Alles in allem ist „Scherbenmond“ ein „würdiger Nachfolger“. Obwohl ich die Geschichte gar nicht als so auf „Splitterherz“ beruhend empfand (vom Inhalt natürlich schon), denn Stimmung, Charaktere und die Handlungsorte sind ganz anders, ganz eigen, mehr für sich stehend. Und gerade das fand ich sehr schön, denn man lernt so viel Neues kennen.

Mein Tipp: Für die, denen „Splitterherz“ gefallen hat: Lest es! Für diejenigen, die „Splitterherz“ nicht so gefallen hat: Lest es auch, denn es ist ganz anders!

4,5

Ich danke dem SCRIPT5 VERLAG ganz herzlich für das Rezensionsexemplar!

688 Seiten

SCRIPT5

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