„Ein Haus ohne Bücher ist arm, auch wenn schöne Teppiche seinen Boden und kostbare Tapeten und Bilder die Wände bedecken.“ Hermann Hesse

„Scatterheart“ von Lili Wilkinson [Rezension]


„Scatterheart“ von Lili Wilkinson erzählt am Beispiel der 15-jährigen Hannah Cashire, die als Sträfling nach Australien kommt, die Geschichte eines ganzen Kontinents.

Hannah ist eine junge Dame von Stand. Doch als sie erfährt, dass ihr Vater ein gesuchter Krimineller ist, will sie es nicht glauben. Von diesem Moment an ändert sich ihr gesamtes Leben. Zuerst landet sie im Londoner Gefängnis und wird schließlich nach Australien deportiert. Der Gedanke an ihren Hauslehrer Mr. Behr, den sie überheblich von sich gewiesen hat, hält sie aufrecht. Doch wird sie ihn überhaupt jemals wiedersehen?

Hannah Geschichte ist ein Beispiel für die von Tausenden von Sträflingen, die für verschiedene, oft lächerliche Vergehen nach Australien deportiert wurden. Die Geschichte spielt um 1814, als die Besiedlung Australiens gerade begann.

Wilkinson versteht es, den Leser in ihren Bann zu ziehen und sehr starke Emotionen in ihm zu wecken. Gleich am Anfang, als Hannah ins Gefängnis gesteckt wird, ist man schockiert und angewidert von den Zuständen. Man fühlt sich bedrängt in dem kleinen Raum mit über 20 Menschen, riecht förmlich den Gestank und spürte die Kälte des Londoner Winters. Zusammengepfercht entsteht eine Atmosphäre der Gefahr, Ausweglosigkeit und Verzweiflung. Je weiter man liest, desto schlimmer wird es. Und obwohl man die arrogante Hannah anfangs gar nicht leiden kann, fühlt man doch mit ihr mit. Erst recht als man den Grund für ihre Festnahme erfährt.

Dieser ist so ungerecht und wird so intensiv dargestellt, dass der Leser am liebsten ins Geschehen eingreifen würde, jedoch zur Untätigkeit verbannt ist.

Es bleibt nur weiter zu lesen, was aufgrund des herrlich fließenden Schreibstils der Autorin ein Vergnügen ist.

Obwohl die Sträflinge lange Zeit auf See sind und somit auch über 200 Seiten auf dem Schiff spielen, kommt keine Langeweile auf. Es werden viele schreckliche Dinge beschrieben, die für den Leser noch schlimmer werden, weil er weiß, dass sie nicht der Fantasie der Autorin entspringen, sondern wirklich so oder so ähnlich geschehen sind.

Ein weiterer positiver Aspekt der Geschichte ist die Entwicklung der Figuren, die insbesondere Hannah durchläuft. Unter solch schrecklichen Umständen lernt sie viel über das wirkliche Leben, dem sie vorher nie begegnet ist und über die vornehme Gesellschaft, die in Wahrheit wenig vornehm ist. Erstaunlich ist auch, wie die sozialen Schichten durch die unterschiedlichen Sprachstile gekennzeichnet sind. Long Meg entstammt der Unterschicht und redet stets vulgär daher, trotzdem ist sie viel klüger als Hannah. Diese spricht sehr vornehm und höflich, doch weiß nichts vom Leben außerhalb ihres Hauses.

Die Charaktere sind vielseitig und stecken voller positiver und negativer Überraschungen.

Das Cover von „Scatterheart“ macht mit seiner violetten Farbe und viel Glitzer den Eindruck eines Romans für Mädchen. Doch die Geschichte um Hannah ist viel mehr als man auf den ersten Blick meint. Sie erzählt einen Teil der Geschichte Australiens, und auch wenn einen der geschichtliche Aspekt weniger interessiert, wird man von den unterschiedlichen Personen, den Orten und den schrecklichen Geschehnissen einerseits schockiert und andererseits fasziniert sein.

Hannah Geschichte hat mich sehr bewegt. Ich muss auch nach dem Lesen noch oft an Szenen aus dem Buch zurückdenken, die aufgrund ihrer Intensität tief in mir hängen geblieben sind. „Scatterheart“ kann ich daher sehr empfehlen, man lernt viel dazu und wird zum Nachdenken angeregt, auch über sich selbst.

5

Ein herzliches Dankeschön an den Coppenrath Verlag, für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

450 Seiten

COPPENRATH VERLAG

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