„Ein Haus ohne Bücher ist arm, auch wenn schöne Teppiche seinen Boden und kostbare Tapeten und Bilder die Wände bedecken.“ Hermann Hesse

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„Aleph“ von Paulo Coelho [Rezension]


Das Aleph ist „jene[r] Punkt, in dem sich alles zur selben Zeit an derselben Stelle befindet.“ An diesem Punkt kann man sich in frühere Leben begeben, was aber nicht ungefährlich ist, denn Coelho meint, dass man ständig mit dem Lösen von Problemen vergangener Leben beschäftigt sei. So kann eine Reise in ein früheres Ich alte Probleme aufdecken, die einen ein ganzes Leben beschäftigen könnten.

Mit genau solchen Problemen kämpft Coelho in seinem neuen, stark autobiografisch geprägten Roman „Aleph“, denn in einem seiner früheren Leben ist er für etwas verantwortlich, das er sich nicht verzeihen kann. Seine damalige Entscheidung lässt ihn auch heute nicht los.

Hauptsächlich quält ihn zunächst die Routine, die in sein Leben eingekehrt ist. Trotz des erfolgreichen Schriftsteller-Daseins, fühlt er sich unzufrieden, unglücklich und fragt sich welchen Sinn sein Leben hat. Fragen, die genau den Zeitgeist treffen, denn sie beschäftigen viele Menschen. Welchen Sinn soll man seinem Leben geben? Wie kann man Routine, die Gift für die Seele ist, unterbrechen? Coelho versucht es mit der Erfüllung eines lange gehegten Traumes: eine Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn.

Doch die Reise steht auch symbolisch für eine Reise zu sich selbst. „Reisen ist niemals eine Frage des Geldes, sondern des Mutes.“, denn bei solch einer Reise lernt man ganz neue Facetten des eigenen Ichs kennen, selbst wenn man nur als Leser an Coelhos Seite mitreist. Die vielen interessanten Dialoge regen zum Nachdenken über verschiedene Themen an, die Coelho auch in seinen früheren Werken thematisiert: Religion, Spiritualität, Mystik, aber auch Liebe, Leid, Schuld und Vergebung. Es werden immer wieder kleine, berührende und sehr eingängige Geschichten erzählt, die viel mehr über das Leben aussagen, als es zunächst den Anschein hat. Mit diesen Geschichten gelingt es ihm, seine philosophischen und religiösen Gedanken und Überzeugungen sehr gut vorstellbar und anschaulich darzustellen.

Der Glaube an das Aleph, an Gott und an eine allgegenwärtige Magie ist in Coelho tief verwurzelt, das wird auf jeder Seite des Romans, in jedem Dialog und in jedem Gedanken des Protagonisten deutlich. Doch weder versucht er seine Mitreisenden, noch seine Leser davon zu überzeugen, sondern erzählt einzig aus seinem Leben. Das macht das Lesen auch für Anders- oder Nichtgläubige zu einem eingehenden Erlebnis, denn man fühlt sich nicht gezwungen sich für seine eigenen Einstellungen zu rechtfertigen.

Der flüssige Schreibstil, die vielen Dialoge und die interessante Geschichte um Coelho und die junge Hilal, die ihn begleitet, machen den Roman anregend, lehrreich und eindrucksvoll zugleich. Einige Passagen stimmen sehr nachdenklich, andere lassen den Leser schmunzeln, so dass die Geschichte auch immer wieder aufgelockert wird.

„Mit Aleph beginnt ihr Leben neu“ lautet der Slogan der Werbekampagne um Paulo Coelhos neuen Roman. Nach der Lektüre begann mein Leben zwar nicht neu, jedoch habe ich viele Anregungen zum Nachdenken gewonnen, was für mich ein großes Glück darstellt, ganz nach Coelhos Motto: „Leben bedeutet, gewohnte Pfade zu verlassen, sich immer wieder auf den Weg zu machen und sich neu zu entdecken.“

Vielen Dank an lovelybooks und den Diogenes Verlag für das Leserundenexemplar!

Diogenes

309 Seiten

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