„Ein Haus ohne Bücher ist arm, auch wenn schöne Teppiche seinen Boden und kostbare Tapeten und Bilder die Wände bedecken.“ Hermann Hesse

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„Mein böses Herz“ von Wulf Dorn [Rezension]


„Das Böse im Sinne einer frei entscheidbaren Handlung, die anderen oder auch uns selbst Schaden zufügt, ist ein Bestandteil unseres täglichen Lebens.“

Seit Doro ihren kleinen Bruder tot aufgefunden hat, wird sie von Halluzinationen verfolgt. Sie war deshalb in der Psychiatrie, doch nun geht es ihr wieder besser, denkt sie. Als Doro mit ihrer Mutter aufs Land zieht, glaubt sie an einen Neuanfang, bis sie eines Nachts im Garten einen abgemagerten und um Hilfe bittenden Jungen sieht. Doch außer ihr hat ihn niemand gesehen und ein paar Tage später erfährt Doro, dass der Junge einige Tage zuvor Selbstmord begangen hat. Kann Doro sich selbst noch trauen oder hat sie sich alles nur eingebildet? Was ist Realität und was Halluzination?

Mit seinem ersten Jugendbuch „Mein böses Herz“ hat der erfolgreiche Thriller-Autor Wulf Dorn („Trigger“) einen überaus spannenden Psycho-Thriller um die 16-jährige Doro geschrieben, denn diese will sich nicht damit abfinden, dass der Junge eine Halluzination gewesen sein soll. Doch die Suche nach der Wahrheit ist gefährlicher als erwartet…

Was ist wirklich und was ist halluziniert? Diese Frage beschäftigt Doro und den Leser die ganze Geschichte über und macht sie sehr spannend, denn woran erkennt man, ob etwas in Wirklichkeit oder nur im eigenen Kopf existiert? Doro hat zwar Strategien zur Unterscheidung gelernt, doch ein Rest Zweifel bleibt immer. Bis zum Ende kann man keine sichere Antwort auf diese Frage finden und ist immer wieder hin- und hergerissen. Als Leser erlebt man hautnah, wie schrecklich es sich anfühlt, nicht einmal sich selbst vertrauen zu können und wie schwer die Zweifel anderer Personen auf einem lasten.

Doch Doro ist ein starkes Mädchen, die sich nach und nach ihren Ängsten und Halluzinationen stellt. Wenn man miterlebt, wie Furcht einflößend diese sein können, merkt man, dass dies sehr viel Mut erfordert. Egal was passiert, Doro lässt sich nicht unterkriegen. Dadurch war sie mir von Beginn an sehr sympathisch. Außerdem ist sie Synästhetikerin. Sie sieht bzw. empfindet zu Personen, Gerüchen und anderen Sinneseindrücken Farben. Dies gibt der Geschichte noch eine ganz eigene, interessante Erlebensebene, sodass man sich vieles noch besser vorstellen kann. Außerdem ist es spannend in die Rolle eines Synnies zu schlüpfen und die Welt mit einer zusätzlichen Wahrnehmungsebene zu erleben.

Die Geschichte ist von Anfang bis Ende atmosphärisch sehr dicht. Die Stimmung reicht von spannend, traurig, sehr gruselig bis romantisch, lustig und einfach angenehm, sodass eine ganze Gefühlspalette angesprochen wird. Durch den flüssigen und anschaulichen Schreibstil lässt sich die Geschichte sehr gut lesen. Der Sog, den die Geschichte ausübt, wird so groß, dass man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen kann und möchte.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass mir die Geschichte ausgesprochen gut gefallen hat. Die Mischung aus Thriller, Psychiatrie, den vielen unterschiedlichen Gefühlen und dem Thema Synästhesie war atemberaubend spannend. Eine Geschichte, die gleichermaßen berührt und fesselt!

Vielen Dank an Lies und Lausch und den cbt-Verlag für das Leserundenexemplar!

416 Seiten

cbt

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