„Ein Haus ohne Bücher ist arm, auch wenn schöne Teppiche seinen Boden und kostbare Tapeten und Bilder die Wände bedecken.“ Hermann Hesse

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„Nacht, komm!“ von Agnes Hammer [Rezension]


Nach einem Raubüberfall muss Lissy Sozialstunden in einem Altenheim ableisten. Dabei begegnet sie der jungen Pflegerinn Nele. Die beiden sind sich auf Anhieb sympathisch. Als Nele tot aufgefunden wird, fällt der Verdacht sofort auf die vorbestrafte Lissy. Sie hat für die Tatzeit kein Alibi und hat sich außerdem in Daniel, Neles Freund, verliebt…

„Nacht, komm!“ von Agnes Hammer ist nach „Herz, klopf!“ der zweite Roman um Lissy Winterhart.

Lissys Vater ist ein obdachloser Alkoholiker. Ihre Mutter ist kaufsüchtig, hat aber seit kurzem wieder eine Arbeit. Kein Wunder, dass aus Lissy schon in jungen Jahren eine Kriminelle geworden ist, denkt sich die Polizei und verdächtigt von vornherein das junge Mädchen.

Doch Lissy ist kein „Unterschichtmädchen“, wie es in diversen Fernsehsendungen um die Mittagszeit gezeigt wird. Lissy ist tough, ehrlich, meistens selbstbewusst und ihre Freunde können sich auf sie verlassen. Sie war mir beim Lesen sehr sympathisch, auch wenn sie im ersten Band gegen das Gesetz verstoßen hat. Da ich den ersten Teil nicht kenne, kann ich das jedoch nicht beurteilen. Man muss ihn allerdings auch nicht gelesen haben um „Nacht, komm!“ zu verstehen. Der Thriller ist eine völlig eigenständige Geschichte.

Es handelt sich um keinen „typischen“ Thriller, in dem vom Anfang bis zum Schluss der Täter gesucht wird. „Nacht, komm!“ ist vielmehr, es ist eine Millieu-Studie und gleichzeitig Kritik an einer Gesellschaft, die straffällige Jugendliche als einmal kriminell – immer kriminell, abstempelt.

Sehr interessant und spannend fand ich, dass Lissy und so auch der Leser durch ihren Vater auch Kontakt zu anderen Obdachlosen hat. Deren Situation wurde sehr anschaulich und realistisch dargestellt. So erfährt man wie sie leben und dass es sich um Menschen handelt, die nicht unbedingt selbst an ihrer Situation schuld sind. Man erhält Einsichten, die einem sonst verwehrt sind oder denen man sich verschließt.

Außerdem hat es mir sehr gefallen, dass die meisten Figuren weder als ausschließlich gut oder böse dargestellt werden. Man lernt sowohl Lissys aufbrausende, gewalttätige Seite kennen, als auch ihre zarte und verletzliche. Ebenso verhält es sich mit ihrem Vater und ihrer Mutter, die zwar kritisiert, aber nicht abgestempelt werden.

In „Nacht, komm!“ erhält man einen Einblick in untere soziale Schichten ohne Stigmatisierungen. Die Thrillerhandlungerschien mir eher in den Hintergrund zurück, war aber immer präsent. Die Mischung ergibt für mich einen stimmigen Thriller, der zum Nachdenken anregt.

Vielen Dank an lies-und-lausch und script5 für das Leserundenexemplar!

script5

285 Seiten

„Nacht, komm!“ auf amazon

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