„Ein Haus ohne Bücher ist arm, auch wenn schöne Teppiche seinen Boden und kostbare Tapeten und Bilder die Wände bedecken.“ Hermann Hesse

Beiträge mit Schlagwort ‘Entführung’

„vergissdeinnicht“ von Cat Clarke [Rezension]


Grace wurde vom attraktiven Ethan entführt, ausgerechnet an dem Abend, an dem sie sich umbringen wollte. Nun sitzt sie in einem weißen Raum mit weißem Bett und trägt weiße Kleidung. Auf dem Tisch vor ihrem Bett liegen jede Menge Stifte und Papier und so bleibt Grace nur eines übrig – zu schreiben. Und Grace schreibt und schreibt und erzählt, wie es zu ihrer Entscheidung kam. Doch wird das reichen, um wieder freizukommen?

„vergissdeinnicht“ ist der bewegende Debütroman der englischen Autorin Cat Clarke um die 17-jährige Grace und deren chaotisches Leben.

Bei diesem Roman handelt es sich um keine „typische“ Entführungsgeschichte, was der Text auf der Rückseite vielleicht nahelegt. Daher sollte man sich vor dem Lesen von solchen Erwartungen freimachen, um sich von der Geschichte überraschen, schockieren und berühren zu lassen, denn all dies bewirkt der Roman.

Seit dem Tod ihres Vaters ist Grace in ein tiefes Loch gefallen. Ihre Mutter ist immer unterwegs, während Grace nachts regelmäßig feiern geht und sich hemmungslos betrinkt. Grace, die die Geschichte in Tagebuchform schreibt und erzählt, ist auch eher freizügig, sodass Sex und Alkohol zwei Themen sind, die immer wieder eine Rolle spielen und sich oft wiederholen. Aber nach und nach erkennt man zusammen mit ihr die Ursachen für ihr Verhalten.

Emotionen werden in der Geschichte sehr mitreißend beschrieben, sodass man mit Grace mitfühlen kann, auch wenn sie nicht die sympathischste Protagonistin ist. Man lernt sie kennen und leidet mit ihr, wodurch die Geschichte eine große Sogwirkung hat. Außerdem stehen immer die Fragen „Warum wollte sie sich umbringen?“, „Kommt Grace jemals wieder raus aus diesem Raum und warum ist sie überhaupt hier?“ und „Was ist mit Sal (Grace beste Freundin) los?“ im Raum, die man unbedingt beantwortet haben möchte. Einzig die Sache mit Sal ist etwas durchschaubar, was aber der Spannung der Geschichte keinen Abbruch tut.

„vergissdeinnicht“ wird in einem sehr umgangssprachlichen Stil erzählt, der genau auf Grace passt. Einwortsätze und Schimpfwörter sind nicht selten, was den Lesefluss nicht stört, denn die Geschichte liest sich sehr flüssig.

Die ganze Geschichte um Grace hat mich tief berührt. Außerdem verleiht das äußerst gelungene Ende dem Roman eine Wirkung, die über das Lesen hinaus geht.

Vielen Dank an den luebbe-Verlag und  für das Rezensionsexemplar!

288 Seiten

Lübbe

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„Blutbraut“ von Lynn Raven [Rezension]


Lucinda wurde entführt. Von dem Mann, den sie ihr ganzes Leben lang fürchtete und vor dem sie bisher  immer fliehen konnte. Doch nun haben seine Leute sie aufgespürt und bringen sie zu ihm: Joaquín de Alvaro, der Mann der Lucindas Blut braucht, um sich nicht in ein Monster zu verwandeln. Doch nach einiger Zeit bei Joaquín fragt sich Lucinda, ob sie vielleicht den falschen gefürchtet hat…

Lynn Raven erzählt in ihrem Buch „Blutbraut“ die Geschichte der  17-jährigen Lucinda, die versucht ihrem Schicksal als Sanguíera, als Blutbraut, zu entfliehen.

Am Anfang der Geschichte lernt man Lucinda kennen und mögen. Sie wirkt wie ein ganz normales Mädchen, mit „normalen“ Problemen. Doch schon nach wenigen Seiten wird klar, dass sie das nicht ist, denn sie wird zusammen mit ihrem Freund überfallen, entführt und zu Joaquín de Alvaro gebracht. So ist die Geschichte von Anfang an spannend, dramatisch und tragisch. Man leidet mit Lucinda, die durch die Hölle geht, als ihr schlimmster Albtraum wahr wird. Lynn Raven versteht es die Gefühle des Mädchens so darzustellen, dass man sich in sie hineinversetzten kann.

Im gesamten Buch wird der Leser immer wieder mit überraschenden Wendungen konfrontiert, die die Geschichte unvorhersehbar machen. So gibt es viele rasante, actionreiche und gefährliche Szenen, aber ein großer Teil der Geschichte spielt sich auch ruhiger ab, so dass man die Charaktere kennen lernen kann. Die Länge der Geschichte ist dabei sehr gut gewählt, denn Raven lässt Gefühle ganz behutsam sich entwickelt, so dass deren Darstellung sehr realistisch wirkt.

Als einziges hat es mich gestört, dass Lucinda über weite Teile der Geschichte hinweg sehr passiv ist. Sie zieht sich sehr zurück und handelt wenig von sich aus. Ich hätte mir in dieser Hinsicht mehr Entwicklung ihrer Person gewünscht.

Wunderschöne Beschreibungen und interessante Orte geben der Geschichte eine schöne Kulisse, die wiederum zu einer sehr angenehmen Atmosphäre beiträgt. Manchmal ist diese angespannt und verzweifelt, ein anderes Mal herrscht eine tiefe Ruhe. Unabhängig davon ist die Stimmung immer herrlich dicht.

Insgesamt hat mich „Blutbraut“ begeistert. Eine tolle Idee, die sehr gefühlvoll und spannend zu gleich umgesetzt wurde!

Vielen Dank an lies-und-lausch und den cbt-Verlag für das Leserundenexemplar!

736 Seiten

cbt

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