„Ein Haus ohne Bücher ist arm, auch wenn schöne Teppiche seinen Boden und kostbare Tapeten und Bilder die Wände bedecken.“ Hermann Hesse

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„Stadt aus Trug und Schatten“ von Mechthild Gläser [Rezension]


Floras Familie ist schon etwas seltsam: Besuche von Freundinnen und Freunden in der elterlichen Wohnung sind strengstens verboten, der Vater lebt für seine Fische und ist immer fürchterlich zerstreut. Außerdem versteht die Haushälterin mehr von verschiedenen Kampfsportarten als vom Haushalt. Als eines Tages ein Austauschschüler bei Flora einzieht, ist ihr klar: Etwas stimmt nicht! Wie recht sie damit hat, zeigt sich nachts: Floras erfährt, dass ihre Seele jede Nacht in die Schattenwelt nach Eisenheim wandert. Dort hatte ihre Seele bisher ein Eigenleben geführt, an das sich Flora erst nach und nach erinnern kann. Zu allem Überfluss hat ihre Seele einen mächtigen, alchemistischen Stein gestohlen, hinter dem alle möglichen Leute her sind.

„Stadt aus Trug und Schatten“ ist der Debütroman der deutschen Schriftstellerin Mechthild Gläser und der spannende Auftakt zu einer Trilogie zwischen Schattenwelt und Wirklichkeit…

Die Idee des Romans ist sehr interessant und spannend und lässt sich in zwei Fragen zusammenfassen: Was macht unsere Seele während des Schlafes? Führt sie ein eigenes Leben, von dem wir nichts wissen? In „Stadt aus Trug und Schatten“ ist genau dies der Fall, doch nur wenige Menschen wissen vom Doppelleben ihrer Seele.

Eisenheim, die Stadt in die alle Seelen des Nachts wandern, wird dabei wunderbar als farbloser, andersartiger aber teilweise auch ähnlicher Ort gegenüber der wachen Welt beschrieben. Durch schöne, ausführliche und einfallsreiche Schilderungen wird diese geheimnisvolle Stadt vor den Augen der Leser sichtbar und lebendig.

Flora, die 17-jährige Protagonistin, fällt aus allen Wolken, als sie von der Existenz Eisenheims erfährt. Sympathisch war sie mir anfangs nicht: Sie ist ziemlich zickig, reagiert aufbrausend und kann ihre Zunge nicht zügeln. Doch sie entwickelt sich im Laufe der Geschichte und wächst über sich hinaus: Sie erweist sich als mutig und ehrlich, sodass sie dem Leser doch ans Herz wächst.

Marian, der mysteriöse Austauschschüler, ist schwerer zu durchschauen. Flora und der Leser wissen oft nicht, was ihn beschäftigt, welche Motive ihn antreiben und welche Ziele er verfolgt. Bis zum Ende überrascht er Flora immer wieder – positiv, als auch negativ. Wie auch viele der anderen Personen kann man auch ihn nur schwer einschätzen, auch wenn er äußerst sympathisch wirkt.

Der einzige Kritikpunkt der Geschichte liegt für mich in der Beziehung zwischen Flora und Marian: Sie ist von Aufs und Abs durchzogen. Doch wenn man im Verlauf der Geschichte erfährt, welchen Grund das hat (diesen verrate ich an dieser Stelle jedoch nicht), wirkt dieser eher konstruiert, als müsste die Beziehung unbedingt kompliziert sein. Dadurch empfand ich das Ende als etwas unbefriedigend. Vielleicht ändert sich dies noch in den folgenden Bänden.

„Stadt aus Trug und Schatten“ hat mich durch die fantastische und „träumerische“ Idee begeistert, die Kritikpunkte leisten dem keinen Abbruch. Viele überraschende Wendungen lassen das Ende nicht erahnen, sodass die Geschichte bis zum Schluss gefährlich, romantisch und spannend bleibt.

Vielen Dank an lovelybooks und den Loewe-Verlag für das Leserundenexemplar!

loewe

412 Seiten

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