„Ein Haus ohne Bücher ist arm, auch wenn schöne Teppiche seinen Boden und kostbare Tapeten und Bilder die Wände bedecken.“ Hermann Hesse

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„Maschinengeist“ von Chris Schlicht [Rezensionen]


1899. Als Privatermittler Peter Langendorf einen Auftrag vom Baron von Wallenfells erhält, ahnt er noch nicht, welche unermesslichen Ausmaße dieser Fall annehmen wird. Wirtschaftliche Krisen haben viele Menschen des Städtekomplexes, bestehend aus Frankfurt und Wiesbaden, in grenzenlose Armut gestürzt. Seuchen, Mord, Prostitution und organisierte Kriminalität sind an der Tagesordnung. Genau dort beginnt Peter seine Ermittlungen und stößt auf Ratten ungeahnten Ausmaßes, absolute Skrupellosigkeit und immer wieder auf einen Namen.

Viele Beschreibungen stehen am Anfang der Geschichte. Es werden Elend, Leid und Orte (Straßennamen, Ortsteile, etc.) dargestellt, wobei wenig Spannung aufgebaut wird und wodurch sich der Beginn eher schleppend liest. Zudem ist die Schrift sehr klein und der Zeilenabstand gering, sodass ich oft das Gefühl hatte, nicht voranzukommen.

Mit Peters Aufträgen ändert sich dies, und als auch noch sein Bruder Paul zu ihm zieht, bekommt die Geschichte doch einen gewissen Sog. Paul ist in einigen Punkten das Gegenteil von seinem eher rauen, aber doch sympathischen Bruder. Sie gleichen sich gegenseitig aus. Da man zwar hauptsächlich aus Peters Sicht liest, einige Passagen aber aus Pauls, ist das dann eine angenehme Abwechslung.

Die Sprache wird in „Maschinengeist“ geschickt eingesetzt: Sie ist ein Zeichen des sozialen Standes. So spricht und denkt Peter in einem etwas gehobenen Stil, redet aber mit Menschen aus den Armenvierteln mit schwächerem oder stärkerem Dialekt. Dieser ist zwar mitunter ziemlich ausgeprägt, trotzdem versteht man immer zumindest den Sinn des Gesagten.

Die Grundidee der Geschichte, die man erst zum Ende hin erfährt, hat mir schon gefallen. Doch der Weg dorthin war hingegen nicht ganz nach meinem Geschmack. Anfangs wird alles fürchterlich düster, bedrückend und schlimm beschrieben, denn die Masse der Menschen muss leiden. Doch unter den handelnden Figuren treten kaum Konflikte auf, was sogar in den Dialogen deutlich wird: Es gibt keine Missverständnisse, Meinungsverschiedenheiten oder Streit. Dieses Fehlen von Problemen macht die Geschichte für mich unglaubwürdig, selbst für ein Genre, in dem nicht alles der Realität entspricht.

So wird die Geschichte bzw. der Handlungsablauf nach einer gewissen Zeit vorhersehbar, auch wenn immer wieder überraschende Wendungen eingebaut wurden. Nichtsdestotrotz lässt sich die Geschichte dank der angenehmen Sprache gut lesen.

Vielen Dank an LiesundLausch und den Feder und Schwert Verlag für das Leserundenexemplar!

440 Seiten

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