„Ein Haus ohne Bücher ist arm, auch wenn schöne Teppiche seinen Boden und kostbare Tapeten und Bilder die Wände bedecken.“ Hermann Hesse

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„Retrum“ von Francesc Miralles [Rezension]


Seit dem Tod seines Zwillingsbruders überlebt Christian mehr, als dass er wirklich lebt. Seine Zeit verbringt er allein, am liebsten auf einem Hügel in der Nähe des örtlichen Friedhofs. Als er eines Abends drei schwarz gekleidete Gestalten trifft, ist er fasziniert und erschreckt zu gleich. Wer sind sie und was machen sie nachts auf dem Friedhof? Um Mitglied in der Clique namens „Retrum“ zu werden, muss Christian eine Mutprobe bestehen. Doch was als Spiel beginnt, endet tödlich…

Mit „Retrum“ hat der spanische Autor Francesc Miralles einen atmosphärisch dichten und düsteren Roman geschaffen, der die Magie und Schönheit von Friedhöfen beschreibt.

Die Aufmachung des Buches ist sehr auffällig. Mit dem schwarzen Buchschnitt und den Grabsteinen und Kreuzen auf dem Cover bekommt man schon einen ersten Eindruck der Geschichte, denn diese gestaltet sich ebenfalls düster und geheimnisvoll.

Anfangs lernt man Christian kennen, der in seiner eigenen traurigen Welt lebt. Die Stimmung ist von Beginn an bedrückend, denn Christian fühlt sich schuldig am Tod seines Bruders. Mit seiner melancholischen, zurückhaltenden Art ist er sehr sympathisch. Man kann seine Gefühle gut nachvollziehen, so dass man schnell mit ihm mitfühlt.

Aber auch die anderen Figuren sind interessant. Allen voran die geheimnisvollen „Blassen“, wie sich Alexia, Lorena und Robert nennen. Auf Friedhöfen laufen sie schwarz gekleidet und weiß geschminkt herum und versuchen von den Toten Antworten zu bekommen.

Im Mittelpunkt des ganzen Romans steht das Thema Tod, das aus vielen verschiedenen Perspektiven betrachtet wird. Einerseits kann der Tod viel zu früh kommen, wie im Falle von Christians Bruder, und Schmerz und Leid hervorrufen. Andererseits bringt der Tod aber auch Ruhe und Frieden. Viele solcher Betrachtungen werden angestellt. Am Anfang eines jeden Kapitels stehen Zitate, die die Themen Tod und Sterben im Mittelpunkt haben, so dass auch die romantische und künstlerische Seite des Themas zum Ausdruck kommen.

Allerdings störten mich, die kurzen Kapitel von meist nur drei bis vier Seiten. Ich fühlte mich dadurch des Öfteren aus dem Lesefluss gerissen, denn häufig findet zwischen zwei Kapiteln ein Zeitsprung statt, so dass man sich immer wieder auf neue Situationen einstellen muss.

Der Autor versteht es jedoch eine dunkle, manchmal gruselige und bedrückende Atmosphäre zu kreieren. Die Stimmung auf Friedhöfen, von Gefahr bis Romantik, überträgt sich auf den Leser, so dass „Retrum“ während des Lesens fesselt.

Im letzten Drittel der Geschichte steigern sich die Spannung und ein Hauch von Grusel sehr, so dass man mit Christian mitfiebert. Jedoch empfand ich dieses Ende durch eine teilweise Vorhersehbarkeit als etwas enttäuschend. Es kam sehr abrupt und wirkte auf mich eher unrealistisch. Einige Fragen blieben offen und werden wohl erst in den folgenden Bänden beantwortet.

Insgesamt ist „Retrum“ eine durchaus spannende Geschichte mit einigen Schwächen, aber einer sehr dichten Atmosphäre.

Retrum in Internet: RetrumFans (Klick)

Vielen Dank an lies und lausch und den Loewe Verlag für das Leserundenexemplar!

Loewe

345 Seiten

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