„Ein Haus ohne Bücher ist arm, auch wenn schöne Teppiche seinen Boden und kostbare Tapeten und Bilder die Wände bedecken.“ Hermann Hesse

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„Scary City – Das Buch der Schattenflüche“ von Michael Borlik [Rezension]


Irgendetwas geht vor, denkt sich Mats, denn auf einmal sieht er seltsame Wesen, wie fliegende Augen und Schattenpanther. Als er dann noch einen Fairy namens Tic aus der Spree rettet und erfährt, dass es unter Berlin eine geheimnisvolle Stadt gibt, ist er sich sicher: Irgendetwas stimmt nicht! Und Mats soll recht behalten…

Mit „Scary City – Das Buch der Schattenflüche“ hat Michael Borlik einen spannenden Urban-Fantasy-Roman für junge Leser ab 10 Jahren geschaffen.

Schon der Prolog ist so spannend, dass man unbedingt weiterlesen möchte: Geheimnisvolle Wesen, die sich als Mumien entpuppen, bedrohen einen alten Buchhändler, der ein großes Geheimnis bewahrt…

Die ganze Geschichte gestaltet sich ebenso aufregend und rasant, denn es gibt immer neue Geheimnisse zu entdecken. Aber auch der Humor kommt nicht zu kurz, sodass es immer wieder etwas zu lachen gibt, besonders durch den frechen Feenmann Tic.

Geheimnisvoll geht es zu in Berlin! Überraschende Wendungen lassen die Geschichte nicht langweilig werden. Aber auch Freundschaft und Vertrauen spielen eine große Rolle, denn Mats muss die ganze Geschichte nicht alleine durchstehen: Seine beste Freundin Lucy ist ein toughes Mädchen und steht ihm immer zur Seite.

Besonders gut gefielen mir die Handlungsorte, die beschrieben wurden: Mats lebt in einem großen Luxushotel, das von seinen Eltern betreiben wird. Zusammen mit ihnen bewohnt er die oberste Etage.

Die unterirdische Stadt ist das genaue Gegenteil: Dunkel, voller Schattengänger und sehr gefährlich. Alles wird atmosphärisch dicht beschrieben, sodass man sich sehr gut in die Geschichte hineinversetzten kann.

Dabei wird die Geschichte niemals zu heftig oder zu gruselig, sodass sich auch die jungen Leser nicht zu sehr fürchten müssen. Den Autor ist die Balance zwischen einem kindgemäßen Buch und einer spannenden Fantasygeschichte sehr gut gelungen. Mit ihren 176 Seiten und etwas größerer Schrift kann die Geschichte problemlos von Dritt- und Viertklässlern gelesen werden.

Thienemann

176 Seiten

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„Imago“ von Isabel Abedi [Hörbuchrezension]


 

„Imago“ Hörprobe

Als Finjas Radiowecker um Punkt Mitternacht anspringt, weiß sie nicht, wie ihr geschieht. Eine Frauenstimme spricht zu ihr und lädt sie zur Ausstellung „Vaterbilder“ ein. Hat es etwas damit zu tun, dass Wanja ihren Vater nicht kennt? Sie beschließt zur Ausstellung zu gehen und erlebt ein unglaubliches Abentuer, denn hinter dem Bilderrahmen beginnt das geheimnisvolle Land Imago…

Isabel Abedi beschäftigt sich in ihrem Roman „Imago“ mit einem sehr wichtigen Thema, gerade für Jugendliche: Wie lebt man damit, nicht zu wissen, wer sein Vater ist? Doch sie betrachtet es gleichzeitig aus verschiedenen Perspektiven, denn da gibt es auch Mischa, dessen Vater ein Säufer ist oder Tobi, dessen Vater ein bekannter Politiker ist, aber nie Zeit für seine Familie hat und auch Finjas Freundin Britta, die ihren Vater abgöttisch liebt und gar nicht merkt, dass er gar nicht der Familienmensch ist, der er vorgibt zu sein.

Alle vier haben unterschiedliche Probleme und doch eines gemeinsam – die Probleme mit den Vätern. Oft stellt man sich während des Hörens die Frage, ob es nicht besser wäre gar kein Vater zu haben anstelle Mischas und wer Wanjas Vater nun eigentlich ist. Ihre Mutter will nicht darüber sprechen, doch hat Wanja nicht ein Recht darauf ihren Vater kennen zulernen?

Auf der anderen Seite dieser ernsten Problematik steht ein fantastisches Abenteuer: die Reise nach Imago. Für Wanja geht es zum Zirkus Anima und damit zu Taro, dem Hochseilkünstler.

Die Autorin beschreibt die Zirkuswelt so schillernd bunt, die Artisten so faszinierend, freundlich und ein bisschen verrückt, dass man das Mädchen gern immer wieder in das Land hinter dem Bilderrahmen begleitet. Es macht einfach Spaß zu hören, wie die Artisten turnen, üben und leben. Man selbst ist durch Wanja ganz nah dabei.

Aber Imago ist nicht nur bunt und lustig. Nein, besonders gegen Ende wird es sehr spannend und auch gefährlich, denn Name „Vaterbilder“ ist nicht zufällig gewählt…

Die Sprecherin Marie Leuenberger gibt jedem Charakter eine eigene Stimme, was besonders in der Zirkuswelt deutlich wird. Sie verleiht den Artisten Leben durch verschiedene Akzente, so spricht z.B. der Zirkusdirektor mit russisch gerolltem r und tiefer Stimme, so dass man einen kleinen, kräftigen und liebenswürdigen Mann in der Manege vor dem inneren Auge sehen kann, so wie ich mir einen typischen Zirkusdirektor vorstelle.

Ab und zu wird zwischen den einzelnen Tracks Musik gespielt. Still und ruhig, hauptsächlich durch eine Gitarre. Sie ist an genau den richtigen Stellen eingefügt, wenn beispielsweise ein größerer Zeitsprung erfolgt, und lockert die Atmosphäre auf, ohne verzögernd oder gar störend zu wirken. Es ist mehr eine kleine Verschnaufpause, die zum Entspannen einlädt.

Marie Leuenbergers verleiht dem Hörbuch meiner Meinung nach einen besonderen Feinschliff. Ich denke beim Lesen hätte mir das gewisse Etwas an der Geschichte gefehlt, aber wenn man sie so überzeugend vorgelesen bekommt, ist es schon etwas Besonderes. Man macht die Augen zu und schon findet man sich im Zirkus Anima wieder – einfach wunderbar!

Vielen herzlichen Dank an den JUMBO HÖRBUCHVERLAG für das Rezensionsexemplar!

5 CDs

GOYA LIT (JUMBO)

Gesprochen von Marie Leuenberger

Mit Musik von Eduardo Macedo

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