„Ein Haus ohne Bücher ist arm, auch wenn schöne Teppiche seinen Boden und kostbare Tapeten und Bilder die Wände bedecken.“ Hermann Hesse

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„Meisterspionin Mary Quinn 03. Skandal im Königshaus“ von Y.S. Lee [Rezension]


Mary Quinn erhält einen neuen Auftrag: Im Königshaus verschwinden immer wieder kleine Gegenstände. Um kein großes Aufsehen zu erregen, soll Mary dort als Dienstmädchen arbeiten und ermitteln. Dabei begegnet sie nicht nur James wieder, sondern stößt auf eine Bedrohung ungeahnten Ausmaßes.

„Skandal im Königshaus“ ist der dritte Teil der Reihe um die Meisterspionin Mary Quinn von der US-amerikanischen Autorin Y.S. Lee.

Die ersten beiden Bände um Mary Quinn begeisterten und fesselten mich bereits. Dementsprechend hoch waren meine Erwartungen an den neusten Fall der Meisterspionin.

Dabei ist der Fall an sich diesmal nicht so besonders spannend. So scheint es zumindest zunächst, denn Mary arbeitet als Dienstmädchen bei der königlichen Familie. Ihr Alltag besteht aus Essen auftragen, aufräumen und abstauben. Dadurch erhält man als Leser interessante Einblicke in den Alltag des Königshauses und besonders in den der Dienerschaft. Der Autorin gelingt es durch anschauliche Beschreibungen, dass man sich den Palast und dessen Personal sehr gut vorstellen kann.

Außerdem entwickelt sich der Fall in eine ganz unerwartete Richtung, denn der Kronprinz ist in einen Skandal mit tödlichem Ausgang verwendet. Erst taucht James auf, dann wird es auch noch gefährlich und sehr spannend. In diesem Band müssen James und Mary nämlich zusammenarbeiten, wodurch sie sich gezwungener Maßen des Öfteren begegnen. Dabei kommt es zu wunderbaren Streitgesprächen und romantischen Szenen, die mich immer wieder schmunzeln ließen.

Aber nicht nur James spielt wieder eine Rolle, sondern auch ein wohlbekannter und schwer zu durchschauender Journalist. Außerdem stößt Mary auf einen tot geglaubten Verwandten. Dadurch erhält die Geschichte eine melancholische Note. Man lernt Mary von einer ganz ungekannten, verletzlichen Seite kennen, was sie nur noch sympathischen macht. Gemeinsam mit ihr erlebt der Leser ein Gefühlschaos von Trauer über Verzweiflung bis hin zu tiefer Liebe.

Der Schreibstil der Autorin ist wunderbar flüssig, sodass man vergisst, dass man liest. Es fühlt sich mehr wie Kopfkino an, wodurch man sich in das viktorianische London versetzt fühlt.

Eigentlich sollte „Skandal im Königshaus“ das Ende der Trilogie sein, doch die Autorin kündigte an, einen vierten Teil („Rivals in the City“) zu schreiben. Es bleibt zu hoffen, dass sie diese Ankündigung umsetzt, denn die Geschichten um Mary Quinn fesseln und begeistern durch die gelungene Mischung aus Rätsel, Spannung und Romantik!

Vielen Dank an den dtv-Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

Rezension zu Band 1 „Ein verhängnisvoller Auftrag“

Rezension zu Band 2 „Eine fast perfekte Tarnung“

408 Seiten

dtv

„Skandal im Königshaus“ auf Amazon

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„Wie Marshmallows mit Seidenglitter“ von Sophia Bennett [Rezension]


Eigentlich läuft alles super: Krähes Kollektion geht weg, wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln, Nonie trifft sich mit einem gutaussehendem Typen, Jenny spielt die Hauptrolle in einem extra für sie geschriebenen Theaterstück und Edie ist mit ihrer Website sehr erfolgreich. Bis eines Tages auf eben dieser schwere Anschuldigungen auftauchen: Krähes Kollektion soll durch indische Kinder in Kinderarbeit hergestellt worden sein! Obwohl das Label Miss Teen behauptet, dass an den Anschuldigungen nichts dran ist, fliegen die Mädels persönlich nach Indien um sich anzusehen, wie die Kollektion tatsächlich entsteht…

„Wie Marshmallows mit Seidenglitter“ von Sophia Bennett ist der zweite Roman um Krähe, Nonie, Jenny, Edie und ihr chaotisches Modeleben in der Hauptstadt Groß Britanniens.

Auch wenn anfangs alles harmonisch erscheint, weil sich viele Träume erfüllen, nimmt die Geschichte schnell Fahrt auf. Die Anschuldigungen wiegen schwer, nicht nur weil Edie sich für Menschenrechte einsetzt.

Wie schon im ersten Teil konnte ich wunderbar mit den Mädchen mitfühlen. Es wird zwar aus Nonies Perspektive erzählt, doch auch die anderen drei kommen nicht zu kurz. So versteht man Edies Verzweiflung über Hacker Angriffe und deren Vorwürfe. Aber Nonie kann auch Krähes ruhige Art in Worte fassen, sodass man auch sie besser kennenlernt. Von Jenny ist hingegen etwas weniger zu lesen, da sie viel mit den Proben für ihre neue Rolle beschäftigt ist. Aus Nonies Sicht zu lesen ist außerdem sehr angenehm, da sie die „normalste“ der vier Mädchen ist: Sie kann zwar unglaublich gut organisieren, ist aber nicht so eine Intelligenzbestie wie Edie, verschlossene Künstlerseele wie Krähe oder so eine exzentrische Schauspielerin wie Jenny. Dadurch konnte ich mich während des Lesens sehr gut mit ihr identifizieren und mich mit ihr freuen, ekeln, leiden und lachen.

Die Reise nach Indien ist nicht nur für die Mädchen ein Abenteuer. Die Straßen, die Bahn und die Gebäude, wie das Taj Mahal, werden so wunderbar beschrieben, dass sie vor meinem inneren Auge auftauchten und ich mich ins Land der Maharadschas wünschte. Es werden Geschichten erzählt, die eine wunderbar orientalische Stimmung erzeugen. Dadurch hat es einfach Spaß gemacht, die Geschichte zu lesen. Außerdem wurde sie dann auch sehr spannend, denn ganz ungefährlich ist die Reise nicht… Leider fand diese erst im hinteren Teil des Buches statt. Ich hätte mir gewünscht, mehr über die Reise zu lesen und dafür etwas weniger vom Vorgeplänkel, das manchmal etwas zu ausführlich war.

Die Autorin hat es wieder geschafft eine Modegeschichte mit Tiefgang zu schreiben, denn man lernt so einiges über Kinderarbeit und wie schrecklich das Leben der so ausgebeuteten Kinder ist. So wird man auf jeden Fall angeregt darüber nachzudenken, ob man nicht bereit ist, lieber etwas mehr Geld für nicht in Kinderarbeit hergestellt Kleidung auszugeben und sich weiter über das Thema zu informieren. Dieser schwere, traurige Stoff wurde mit einer teils sehr lustigen und immer wieder spannenden Modegeschichte verbunden, wodurch ein meist fesselnder und berührender Roman entsteht.

Rezension zu Band 1 „Wie Zuckerwatte mit Silberfäden“

320 Seiten

Chicken House

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„Das Geheimnis des weißen Bandes: Der neue Sherlock-Holmes-Roman“ von Anthony Horowitz [Rezension]


Vorab ist zu sagen, dass ich vor „Das Geheimnis des weißen Bandes“ noch keinen Sherlock-Holmes-Roman gelesen habe. Doch die Filme im Kino und Fernsehen (die BBC-Miniserie) machten mich neugierig, sodass ich schon seit Längerem vorhatte, ein Buch des berühmten Detektivs zu lesen. Mit der Leserunde auf lovelybooks.de bot sich die perfekte Gelegenheit :-).

Inhalt (von lovelybooks):

Am Abend eines ungewöhnlich kalten Novembertages im Jahr 1890 betritt ein elegant gekleideter Herr die Räume von Sherlock Holmes‘ Wohnung in der Londoner Baker Street 221b. Er wird von einem mysteriösen Mann verfolgt, in dem er den einzigen Überlebenden einer amerikanischen Verbrecherbande erkennt, die mit seiner Hilfe in Boston zerschlagen wurde. Ist der Mann ihm über den Atlantik gefolgt, um sich zu rächen? Als Holmes und Watson den Spuren des Gangsters folgen, stoßen sie auf eine Verschwörung, die sie in Konflikt mit hochstehenden Persönlichkeiten bringen wird und den berühmten Detektiv ins Gefängnis, verdächtigt des Mordes. Zunächst gibt es nur einen einzigen Hinweis: ein weißes Seidenband, befestigt am Handgelenk eines ermordeten Straßenjungen …

Meine Meinung:

Mit „Das Geheimnis des weißen Bandes“ erscheint ein neuer Roman um Sherlock Holmes, den genialsten Detektiv überhaupt. Allerdings stammt dieses Werk nicht von Arthur Conan Doyle, sondern vom international erfolgreichen Autor Anthony Horowitz.

Besonders am Anfang fiel mir die gewählte, etwas altertümliche Sprache auf, die ich mit Holmes und der Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert verbinde. Dadurch wird eine ganz eigentümliche Stimmung geschaffen, die für mich immer nach Aufbruch und Veränderung klingt. Die Sprache „normalisierte“ sich im Verlauf des Romans leider auf heutige Verhältnisse, was ich bedauere. Jedoch liest sich der Roman von Anfang bis Ende sehr flüssig.

Die Geschichte ist sehr spannend und dramatisch. Es ist nicht abzusehen, welche Richtung der Fall nehmen wird, denn immer wenn man glaubt, der Lösung ein Stück näher zu sein, entpuppt sich dies als Irrtum, Sackgasse oder falsche Fährte. Holmes ahnt oder weiß die meisten Zusammenhänge natürlich schon viel früher, während der Leser und Watson sich Stück für Stück durch den Sumpf von Hinweisen, Intrigen und Lügen arbeiten.

Mit Dr. Watson erzählt eine sehr sympathische Figur die Geschichte. Watson ist glücklicherweise nicht so furchterregend intelligent wie Holmes, sodass man ihm in Gedanken sehr gut folgen kann. Außerdem ist er sehr engagiert und erweist sich als wahrer Freund, wodurch er sehr liebenswürdig erscheint und man sich in ihn hineinversetzen kann.

Die Idee die Geschichte als Watson Erbe, dass erst nach 100 Jahren geöffnet werden darf, zu präsentieren fand ich sehr überzeugend, denn es erklärt plausibel, warum die Geschichte erst jetzt erscheint, und bettet sie in die anderen Sherlock-Holmes-Romane ein. Die Begründung, dass die Geschichte so furchtbar ist, dass sie damals nicht veröffentlicht werden konnte, mag stimmen, denn die Lösung des Falls ist wirklich grauenvoll und leider aktueller denn je …

Anthony Horowitz hat mit „Das Geheimnis des weißen Bandes“ einen ungemein spannenden Kriminalroman geschaffen, der durch eine mitreißende und dramatische Geschichte, eine angenehme Sprache und einem sehr sympathischen Dr. Watson überzeugt!

4,5

Vielen Dank an lovelybooks und den Insel Verlag für das Rezensionsexemplar!

350 Seiten

Insel Verlag

„Das Geheimnis des weißen Bandes“ auf amazon

„Clockwork Angel – Chroniken der Schattenjäger“ von Cassandra Clare [Hörbuchrezension]


„Clockwork Angel“ Hörprobe

London im Jahre 1878. Tessa ist nach London gereist um bei ihrem Bruder Nate zu leben. Doch am Hafen erwartet sie eine böse Überraschung: Zwei alte Frauen nehmen sie mit sich in ihre unheimliche Villa und halten sie dort gefangen. Als Will sie eines Tages aus den Fängen der Hexen rettet, wird Tessa erst klar, in welch gefährliche Welt sie zwischen Vampiren, Hexen und Schattenjägern geraten ist, zu der sie selbst gehört…

„Clockwork Angel – Chroniken der Schattenjäger“ ist der Auftakt zu einer spannenden Trilogie um Tessa, die eine seltene Gabe besitzt, den draufgängerischen Will und den schönen, zerbrechlichen James.

Die „Clockwork Angel“-Trilogie ist als Vorgänger der Reihe „Chroniken der Unterwelt“ angelegt, die ich bisher noch nicht gelesen habe und deshalb auch nicht darauf eingehen kann.

Anfangs konnte mich die Geschichte nicht so sehr fesseln. Sie schien mir sehr verwirrend und ziellos. Zum Glück kann man das Hörbuch nebenbei hören, so dass die Spannung nicht lange auf sich warten ließ und die Geschichte doch noch an Sog gewann.

Schön fand ich, dass die Geschichte dann nicht nur spannend war, sondern auch Stellen enthielt, in denen man mehr über die Charaktere und ihre Vergangenheit erfuhr. So konnte man diese besser kennenlernen und verstand ihr Handeln. Besonders James und Tessa wuchsen mir ans Herz, so dass mich die Geschichte nach der ersten CD doch fesselte.

Viele überraschende und unvorhersehbare Wendungen und ein angenehmer Schreibstil ließen die folgenden sechs CDs dann sehr kurzweilig werden.

Das Hörbuch wird von Katja Danowski gesprochen. Sie gibt den meisten Figuren passende Stimmen, so klingt Will immer etwas rau und James eher sanft. Doch mit der Stimme Tessas konnte ich mich nicht anfreunden. Sie klingt immer als wäre sie eingeschüchtert, was mir anfangs auch noch passend erschien, schließlich kommt Tessa in ein neues Land und wird gleich entführt. Doch nachdem sie sich im Institut eingelebt hat, hatte ich anhand der erzählten Geschichte das Gefühl, dass sie sich öffnet und sicherer wird. Das wird durch ihre Stimme leider gar nicht deutlich, sie entwickelt sich, im Gegensatz zu Tessas Persönlichkeit, nicht weiter.

3,5Vielen Dank an Jumbo Neue Medien für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

Hörprobe (klick)

Goya libre

Gesamtspielzeit ca. 525 Min. auf 7 CDs

Autorisierte Audiofassung

„Clockwork Angel – Chroniken der Schattenjäger“ (Hörbuch) auf amazon

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