„Ein Haus ohne Bücher ist arm, auch wenn schöne Teppiche seinen Boden und kostbare Tapeten und Bilder die Wände bedecken.“ Hermann Hesse

Beiträge mit Schlagwort ‘neues Leben’

„Skinned“ von Robin Wasserman [Rezension]


Lia Kahn ist tot. Sie hatte einen Autounfall, dessen Wahrscheinlichkeit bei quasi unmöglich lag und trotzdem ist er passiert. Danach war Lias Körper so zerstört, dass nur noch ihr Gehirn eingefroren, in Scheiben geschnitten und auf eine Festplatte geladen werden konnte, die in einen neuen Körper eingesetzt wurde. Lia ist seitdem kein Mensch mehr, sondern ein Skinner oder Mech. Daraufhin ändert sich ihr Leben komplett, denn ist nun wirklich „nur“ eine Maschine, eine Kopie ihrer selbst?

Robin Wasserman erschafft in ihrem Roman „Skinned“ eine dystopische Welt, die mit unserer jetzigen nur noch wenig gemeinsam zu haben scheint. Doch an Lias Beispiel erlebt der Leser, dass Ausgrenzung und Vorurteile noch immer einen erschreckend großen Teil der Gesellschaft ausmachen. Das muss Lia am „eigenen Leib“ erfahren, denn als sie so völlig verändert, mechanisch wieder kommt, wenden sich alle, die ihr wichtig waren, von ihr ab.

„Skinned“ wirft eine Menge Fragen auf, so musste ich immer wieder darüber nachdenken, was eigentlich einen Menschen ausmacht. Die „neue“ Lia hat alle Erinnerungen der alten, sie ist also quasi Lia, doch irgendwie auch nicht, denn sie besteht aus Kabeln, muss sich aufladen, anstatt zu essen und die Gefühle sind auch anders. Doch trotzdem fühlt sie sich irgendwie als Lia, weil sie ja eigentlich Lia ist, nur sehen das ihre Mitmenschen nicht so.

Nicht nur ich als Leser bin während des Lesens in ein Chaos aus Gefühlen und Fragen über sein und nicht sein geraten, sondern auch Lia selbst. Stück für Stück findet sie für sich selbst eine Entscheidung, was sie ist und wer sie ist, doch diese werde ich hier nicht verraten.

Die Geschichte ist sehr gut geschrieben, sie liest sich schnell und flüssig, spannend und traurig und oft verzweifelt.

Interessant fand ich es, dass während des Lesens oft eine kühle, analytische Stimmung herrschte. Ich hatte stets das Gefühl ein Stück von der Geschichte entfernt zu sein, alles von weiter weg zu betrachten.

Mich hat diese Perspektive ein wenig gestört, denn ich konnte mich nie richtig entscheiden, ob ich Lia nun mag oder nicht und ob sie ein Mensch oder Mech ist, aber ich denke genau dies war von der Autorin beabsichtigt, denn genauso werden Lias „Gefühle“ beschrieben, als säße sie in ihrem eigenen Kopf und sehe wir ihr Körper handelt. Deshalb finde ich es wiederum genial, wie Robin Wasserman es geschafft dieses Gefühl zu vermitteln, sodass man sich voll und ganz in die Lage der Protagonistin versetzen kann.

„Skinned“ ist für mich ein besonderes Buch, denn es regt sehr zum Nachdenken über das Menschsein an, denn schließlich funktionieren unsere kognitiven Prozesse doch auch nur durch elektrische und chemische Impulse. Außerdem bringt die Autorin dem Leser Lias Situation so nahe, dass man sich der Geschichte einfach nicht entziehen kann. Ich bin gespannt, wie es in „Crashed“ weitergeht, denn wer weiß schon, wann Medizin und Technik die Fiktion zur Realität werden lassen…

4,5

Vielen Dank an den script5-Verlag, für das Rezensionsexemplar!

375 Seiten

script5

„Skinned“ auf amazon.de

Advertisements

Schlagwörter-Wolke

%d Bloggern gefällt das: