„Ein Haus ohne Bücher ist arm, auch wenn schöne Teppiche seinen Boden und kostbare Tapeten und Bilder die Wände bedecken.“ Hermann Hesse

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„Forbidden“ von Tabitha Suzuma [Rezension]


Man kann sich nicht aussuchen in wen man sich verliebt. Aber was passiert wenn sie Bruder und Schwester ineinander verlieben?

Lochan ist 17 Jahre alt und liebt seine um ein Jahr jüngere Schwester Maya und sie ihn. Doch sie lieben sich nicht nur wie Bruder und Schwester, sondern wie Mann und Frau.

Zusammen kümmern sie sich um ihre drei Geschwister, denn die Mutter ist Alkoholikerin und der Vater verließ die Familie vor vielen Jahren. Lochan und Maya haben nur sich beide und sind immer füreinander da. Als sie ihre Liebe zueinander entdecken, beginnt ein Chaos der Gefühle, denn beide wissen, dass sie etwas Verbotenes tun. Aber wie kann sich etwas Falsches so richtig anfühlen?

Der Roman „Forbidden“ von Tabitha Suzuma spricht eines der wenigen Tabuthemen an, die es in unserer Gesellschaft noch gibt – Inzest.

Bevor ich begann das Buch zu lesen, war ich sehr gespannt, wie die Autorin dieses sensible und nicht einfache Thema wohl umsetzen wird. Schon nach den ersten Seiten war ich begeistert. Zunächst vom Schreibstil, denn die Geschichte lässt sich wunderbar flüssig lesen, so dass ich gar nicht mehr aufhören wollte und schließlich von der Geschichte selbst.

Die Charaktere werden sehr liebevoll beschrieben. Man lernt Lochan mit seinen psychischen Problemen kennen und Maya, die so stark erscheint. Da abwechselnd aus der Perspektive des Bruders und der Schwester geschrieben wird, kann man sich in beide hinein fühlen und versteht, was sie bewegt. Immer begleitet den Leser Angst, anfangs die Befürchtung, dass das Jungendamt auf die Familienverhältnisse aufmerksam wird und dann die Angst erwischt zu werden. Der Leser merkt unter welchem Druck die Geschwister stehen und wie sie darin kaputtzugehen drohen.

Aber die Liebe der beiden zueinander ist so groß, dass sie ihnen Halt und Kraft gibt. Sie erschien mir beim Lesen völlig natürlich, wie den Geschwistern auch. Ich vergaß beim Lesen zeitweise, dass die beiden Geschwister sind, oder wie sie es sagten – dass sie zufällig die gleichen Eltern haben. Maya und Lochan wirken wie Eltern für ihre drei kleinen Geschwister. Sie waren sich immer näher als irgendeinem anderen Menschen und kennen den anderen blind. Ist es da nicht normal, dass sie sich verliebt haben? Interessant fand ich die Frage, die aufgeworfen wurde: Ob die beiden sich auch lieben würde, wenn sie in einer „normalen“ Familie gelebt hätten?

Mich hat die Geschichte sehr bewegt. Einerseits war ich beim Lesen wütend und enttäuscht über solch egoistische und verantwortungslose Eltern, die ihre Kinder einfach im Stich lassen. Auf der anderen Seite empfand ich Trauer und Mitleid für die beiden, denn sie mussten sich auf Grund von gesellschaftlichen Konventionen verstecken. Wären sie z.B. in Frankreich, wo einvernehmlicher Inzest unter Erwachsenen erlaubt ist, aufgewachsen, hätte ihre Situation ganz anders aussehen können.

In „Forbidden“ durchlebt der Leser ein Wechselbad der Gefühle, wie die Geschwister selbst. Man weiß nicht mehr, was richtig und was falsch ist: Das was der Kopf einem sagt, oder das was das Herz möchte?

Tabitha Suzuma beschreibt dieses sensible Thema sehr eindringlich. Dem Leser wird die ausweglose Situation der beiden sehr bewusst und man leidet mit ihnen. Die ganze Geschichte wirkt so real, als hätte sie das Leben selbst geschrieben und regt zum Nachdenken an, über Gesetze, Liebe und das Leben, denn ich frage mich noch immer, ob die Geschichte nicht auch anders hätte enden können…

Vielen Dank an lovelybooks und Oetinger für das Leserundenexemplar!

448 Seiten

Oetinger

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