„Ein Haus ohne Bücher ist arm, auch wenn schöne Teppiche seinen Boden und kostbare Tapeten und Bilder die Wände bedecken.“ Hermann Hesse

Beiträge mit Schlagwort ‘Thriller’

„Die Verratenen“ von Ursula Poznanski [Rezension]


Ria führt ein privilegiertes Leben innerhalb der sicheren Sphären, die sie vor der Außenwelt schützen. Sie besucht eine Elite-Akademie und hat eine große Zukunft vor sich, bis sie eines Tages ein Gespräch mit anhört, das ihr Leben aus der Bahn wirft. Ria muss sich von nun an verstecken, ohne überhaupt zu wissen, was ihr vorgeworfen wird, erst in der Akademie und dann außerhalb, wo die Natur, die Clans und der Sphärenrat ihr feindlich gesinnt sind…

„Die Verratenen“ ist der erste Band einer dystopischen Thriller-Trilogie der österreichischen Autorin Ursula Poznanski, in der eine perfide Intrige Rias Leben und das von weiteren fünf Studenten von Grund auf ändert und infrage stellt.

Zu Beginn der Geschichte wird zunächst Rias Alltag beschrieben, was interessant ist, da in „Die Verratenen“ ein Zukunftsszenario dargestellt wird. Ein wahrscheinliches, denn die Welt außerhalb der Sphären ist stark abgekühlt, sodass es beinahe dauerhaft schneit.

Die Geschichte wird jedoch schnell sehr spannend, denn das verhängnisvolle Gespräch wird schon einige Seiten später geführt. Von diesem Zeitpunkt an ist für Ria nichts mehr, wie es vorher war. Es ist interessant zu sehen, wie sie sich verhält, verstellt, zweifelt und misstraut. Ihre Gefühle sind glaubhaft und verständlich dargestellt. Dadurch, dass sie mir außerdem sehr sympathisch war, in ihrer offenen und freundlichen Art, konnte ich sehr gut mit ihr mitfühlen. So bekommt man einen Eindruck, wie es ist, niemandem trauen zu können und zu Unrecht zu beschuldigt zu werden, was wirklich bedrückende und verunsichernde Gefühle sind.

Aber es geht in diesem Buch auch um Macht und Manipulation. So werden Ria und ihr Freund Aureljo, zwei der besten Studenten der Akademie, ausgebildet, um Menschen zu begeistern, gezielt zu beeinflussen und zu durchschauen. Was die beiden (und wahrscheinlich viele der Studenten) nicht ahnen: Sie werden selbst getäuscht, und zwar systematisch, wie Ria erfahren muss… Dabei ist es immer wieder spannend zu erleben, wie Ria in der Lage ist, in der Mimik, der Gestik und der Sprache anderer Menschen zu lesen und ihre eigene verbale und nonverbale Kommunikation zielgerichtet einzusetzen. Aber auch die anderen Charaktere sind interessant und vielschichtig dargestellt.

Die Atmosphäre ist meistens angespannt, feindlich und einfach fesselnd. Nur kurz vor dem Ende wurde die Geschichte aufgrund der dort stattfindenden gleichförmigen Handlung etwas langatmig, was sich jedoch schnell wieder gibt.

Der Schreibstil ist flüssig und sehr bewusst gewählt, da Ria quasi Spezialistin auf dem Gebiet der Sprache und Kommunikation ist. Das zum Ausdruck zu bringen, ist der Autorin sehr gut gelungen.

Das Ende wartet mit einigen Überraschungen auf, sodass ich nach dieser spannenden, interessanten und fesselnden Geschichte begeistert auf den zweiten Teil der Trilogie warte!

Vielen Dank an LiesundLausch und den Loewe Verlag für das Leserundenexemplar!

460 Seiten

Loewe

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„Nacht, komm!“ von Agnes Hammer [Rezension]


Nach einem Raubüberfall muss Lissy Sozialstunden in einem Altenheim ableisten. Dabei begegnet sie der jungen Pflegerinn Nele. Die beiden sind sich auf Anhieb sympathisch. Als Nele tot aufgefunden wird, fällt der Verdacht sofort auf die vorbestrafte Lissy. Sie hat für die Tatzeit kein Alibi und hat sich außerdem in Daniel, Neles Freund, verliebt…

„Nacht, komm!“ von Agnes Hammer ist nach „Herz, klopf!“ der zweite Roman um Lissy Winterhart.

Lissys Vater ist ein obdachloser Alkoholiker. Ihre Mutter ist kaufsüchtig, hat aber seit kurzem wieder eine Arbeit. Kein Wunder, dass aus Lissy schon in jungen Jahren eine Kriminelle geworden ist, denkt sich die Polizei und verdächtigt von vornherein das junge Mädchen.

Doch Lissy ist kein „Unterschichtmädchen“, wie es in diversen Fernsehsendungen um die Mittagszeit gezeigt wird. Lissy ist tough, ehrlich, meistens selbstbewusst und ihre Freunde können sich auf sie verlassen. Sie war mir beim Lesen sehr sympathisch, auch wenn sie im ersten Band gegen das Gesetz verstoßen hat. Da ich den ersten Teil nicht kenne, kann ich das jedoch nicht beurteilen. Man muss ihn allerdings auch nicht gelesen haben um „Nacht, komm!“ zu verstehen. Der Thriller ist eine völlig eigenständige Geschichte.

Es handelt sich um keinen „typischen“ Thriller, in dem vom Anfang bis zum Schluss der Täter gesucht wird. „Nacht, komm!“ ist vielmehr, es ist eine Millieu-Studie und gleichzeitig Kritik an einer Gesellschaft, die straffällige Jugendliche als einmal kriminell – immer kriminell, abstempelt.

Sehr interessant und spannend fand ich, dass Lissy und so auch der Leser durch ihren Vater auch Kontakt zu anderen Obdachlosen hat. Deren Situation wurde sehr anschaulich und realistisch dargestellt. So erfährt man wie sie leben und dass es sich um Menschen handelt, die nicht unbedingt selbst an ihrer Situation schuld sind. Man erhält Einsichten, die einem sonst verwehrt sind oder denen man sich verschließt.

Außerdem hat es mir sehr gefallen, dass die meisten Figuren weder als ausschließlich gut oder böse dargestellt werden. Man lernt sowohl Lissys aufbrausende, gewalttätige Seite kennen, als auch ihre zarte und verletzliche. Ebenso verhält es sich mit ihrem Vater und ihrer Mutter, die zwar kritisiert, aber nicht abgestempelt werden.

In „Nacht, komm!“ erhält man einen Einblick in untere soziale Schichten ohne Stigmatisierungen. Die Thrillerhandlungerschien mir eher in den Hintergrund zurück, war aber immer präsent. Die Mischung ergibt für mich einen stimmigen Thriller, der zum Nachdenken anregt.

Vielen Dank an lies-und-lausch und script5 für das Leserundenexemplar!

script5

285 Seiten

„Nacht, komm!“ auf amazon

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