„Ein Haus ohne Bücher ist arm, auch wenn schöne Teppiche seinen Boden und kostbare Tapeten und Bilder die Wände bedecken.“ Hermann Hesse

Beiträge mit Schlagwort ‘Trauer’

„Wie viel Leben passt in eine Tüte?“ von Donna Freitas [Rezension]


Als ihre Mutter an Krebs stirbt, ist Rose zu tiefst erschüttert. Auch Monate danach fällt es ihr schwer, die einzelnen Tage zu überstehen. Doch Roses Mutter hat ihr ein ganz besonderes Geschenk hinterlassen: Ein Survival Kit, das ein Foto von Pfingstrosen, ein Kristallherz, einen I-Pod, Buntstifte, einen Papierstern und einen Drachen enthält. Jedes dieser Geschenke hat eine Bedeutung, die Rose herausfinden muss und wobei sie immer wieder auf den stillen Will trifft…

Donna Freitas erzählt in ihrem Debütroman „Wie viel Leben passt in eine Tüte?“ eine wundervoll zarte und berührende Geschichte, die unter die Haut geht.

Die Trauer, die Rose verspürt, wird von Beginn an so glaubhaft beschrieben, dass ich gleich mit ihr mitfühlen konnte, wodurch mich die Geschichte sehr fesselte. Man versteht so gut, wie schwer alles für Rose ist, was früher normal war und fragt sich, ob sie es wohl schafft, die Trauer zu überwinden und wieder anfangen kann zu leben.

Dabei ist nicht unbedingt die Handlung der Geschichte das, was den Roman zu einem wahren Pageturner macht, sondern die Gefühle, die die Autorin im Leser weckt. Diese sind zum Teil so sensibel und auch immer wieder so stark, dass ich mich ihnen nicht entziehen konnte und selbst immer wieder ein paar Tränen vergoss. Schwülstig oder übertrieben wirkt die Geschichte jedoch an keiner Stelle, sondern sehr realistisch. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass die Autorin in Roses Geschichte viele eigene Erfahrungen verarbeitet, wie sie im Interview erzählte (zum Interview: Klick!).

Interessant und spannend fand ich es herauszufinden, was die einzelnen Gegenstände aus dem Survival Kit bedeuten und zu erleben, was z.B. das Foto der Pfingstrosen alles auslösen kann.

„Wie viel Leben passt in eine Tüte?“ ist Roses Geschichte, wie sie mit der Trauer um den Verlust eines geliebten Menschen umgeht. Jeder Mensch verarbeitet solche Gefühle auf seine eigene Weise,  sodass die Geschichte kein Rezept ist. Wenn man erst vor Kurzem jemanden Geliebtes verloren hat, sind die Gefühle, die die Geschichte erzeugt womöglich zu überwältigend. Jedoch finde ich, dass besonders die Idee des Survival Kits, eine ganz tolle Anregung und Möglichkeit ist, sich Gefühle bewusst zu machen und damit umgehen und leben zu lernen.

So hat mich „Wie viel Leben passt in eine Tüte?“ bewegt und berührt, auf eine wunderbar stille, oft schmerzliche und traurig-schöne, aber auch auf eine hoffnungsvolle Weise.

PS: Jedes Kapitel des Buches trägt als Titel einen Song, sodass am Ende „Rose Madisons Playlist“ entsteht. Hier könnt ihr euch die Lieder anhören und euch einen Eindruck der Stimmung des Buches machen: Klick!.

Vielen Dank an den Gabriel Verlag und   für das Rezensionsexemplar!

400 Seiten

Gabriel

„Wie viel Leben passt in eine Tüte?“ bestellen: Klick!

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„In Liebe, Brooklyn“ von Lisa Schroeder [Rezension]


Seit einem Jahr ist Lucca tot. Für seine Freundin Brooklyn und seinen Bruder Nico ist seit dem nichts mehr, wie es vorher war. Sie trauern, jeder auf seine Weise. Doch seit noch ein Junge aus der Schule gestorben ist, quälen Brooklyn Albträume und Lucca erscheint seinem Bruder als Geist. Er bittet Nico Brooklyn zu helfen.

„In Liebe, Brooklyn“ von der US-amerikanischen Autorin Lisa Schroeder ist eine bewegende Geschichte über Trauer, Verlust, Liebe und einen Weg zurück ins Leben.

Anfangs war ich skeptisch, was die Versform der Geschichte betrifft. Schon beim ersten Durchblättern fällt sie auf. Die Geschichte liest sich erstaunlicher Weise, trotz dieser Form, angenehm flüssig, wie ein „normaler“ Roman. Während des Lesens wird dann die Wirkung dieser ungewöhnlichen Zeilenform erst deutlich. Die Buchstaben in Wörtern wie „tanzen“ sind versetzt über mehrere Zeilen geschrieben, so dass sie wirklich zu tanzen scheinen. Außerdem eröffnen Leerzeilen im Text Raum für eigene Gedanken und Gefühle, die in der Geschichte nicht explizit benannt werden, sich beim Lesen aber entwickeln. Dieser Stil – das Layout dem Inhalt anzupassen – wirkt nicht nur poetisch, sondern intensiviert die Gefühle.

Überhaupt birgt die Geschichte viele verschiedene Empfindungen, die mir während des Lesens sehr nahe gingen. Trauer und Verzweiflung über Luccas Tod, Angst vor den Träumen und Hoffnung und Zuneigung – alle Gefühle durchlebte ich während des Lesens mit. Doch die Trauer ist nicht erdrückend, denn es schwingt immer ein sensibler Humor mit, der mich während der Geschichte immer wieder lächeln ließ, egal wie traurig die Situation gerade war.

Durch die kleinen Seiten – das Buch ist ungefähr Postkarten groß – und den wenigen Text auf den einzelnen Seiten, ist die Geschichte relativ kurz. Die Autorin erzählt eine Geschichte mit wenigen Worten, doch schafft sie es dadurch viel mehr auszudrücken, als durch lange Beschreibungen. Es wird abwechselnd aus Brooklyns und Luccas Perspektive erzählt, wodurch ich mich beiden sehr nahe fühlte und sehr intensiv mit ihnen mitfühlen konnte.

„In Liebe, Brooklyn“ hat mich überrascht, denn das Buch ist nicht nur von außen wunderschön anzusehen, sondern birgt auch einen bewegenden und berührenden Inhalt.

Vielen Dank an lies und lausch und den loewe-Verlag für das Leserundenexemplar!

429 Seiten

loewe

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