„Ein Haus ohne Bücher ist arm, auch wenn schöne Teppiche seinen Boden und kostbare Tapeten und Bilder die Wände bedecken.“ Hermann Hesse

Beiträge mit Schlagwort ‘Verlust’

„Heller als ein Stern“ von Celia Bryce


Als die 14-jährige Megan wegen eines Hirntumors auf der Krebsstation des örtlichen Krankenhauses eingeliefert wird, fühlt sie sich zwischen all den Kindern fehl am Platz. Nur Jackson ist im gleichen Alter, aber er ist so ganz anders als sie: Er sprüht vor Energie, die Kinder lieben ihn und einigen Schwestern geht er gehörig auf die Nerven mit seinen Ausflügen durchs ganze Krankenhaus.

Mit der Zeit wächst zwischen den beiden eine tiefe Freundschaft. Doch Megan und Jackson wissen, dass ihr Leben am seidenen Faden hängt. So stehen beiden schwere Operationen bevor, die über Leben und Tod entscheiden…

In „Heller als ein Stern“ erzählt Celia Bryce die emotionale Geschichte einer Freundschaft, die in einem ganz unerwarteten Moment wächst. Sie hat mich an vielen Stellen be- und gerührt, denn sie geht wirklich sehr tief.

Ich habe die Geschichte in einem emotional ziemlich angeschlagenen Zustand gelesen und gefühlte zwei Drittel des Buches geschnieft und dabei unzählige Taschentücher verbraucht^^ Deshalb kann ich nur empfehlen das Buch zu lesen, wenn es euch relativ gut geht, sonst kann die Lektüre ein bisschen anstrengend werden, denn weglegen konnte ich das Buch auch wieder nicht. Ich wollte wissen, wie es mit Megan und Jackson weitergeht. Manchmal war es schon sehr bedrückend, aber es gab auch immer wieder lustige, herzliche und schöne Momente.

Mit Megan und Jackson hat die Autorin zwei Charaktere geschaffen, die sehr unterschiedlich mit ihrer Krankheit umgehen. Während Megan zunächst versucht die Existenz des Tumors zu leugnen und oft launisch und mürrisch ist, begegnet Jackson jeden Tag mit einer positiven Einstellung, die ansteckend wirkt und mich beeindruckt hat.

Aber auch die Figuren um die beiden herum sind etwas ganz Besonderes. Da gibt es zum Beispiel den uralten Opa von Megan, der immer versucht seine Enkelin aufzubauen und zum Lächeln zu bringen, ein kleines, schwer krankes Mädchen, dass sich Hering nennt und Schwestern mit rauer Schale und weichem Kern. Die Geschichte lebt von ihren unterschiedlichen und interessanten Charakteren und den Gesprächen zwischen diesen.

Da die Geschichte nicht von Megan selbst erzählt wird, sondern von einem Erzähler, der das Mädchen begleitet, hat man als Leser einen gewissen Abstand, sodass die Geschichte emotional nicht zu anstrengend wird. Man kann mit Megan mitfühlen, durchleidet aber nicht jeden Schmerz mit ihr. Das wäre für meinen Geschmack auch zu viel gewesen. Durch den ernsten, nüchternen Erzählstil, der dennoch viel Raum für Gefühle lässt, wird dieses Verhältnis von Abstand und Nähe unterstützt.

„Heller als ein Stern“ ist nicht nur eine spannende, traurige, interessante und berührende Geschichte. Sie regt besonders durch Jackson, der trotz seiner Krankheit so glücklich ist und für andere da ist, zum Nachdenken über die eigenen Einstellungen und Ansichten an.

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Dank an BdB-logo-small2 und den bloomoon Verlag für das Rezensionsexemplar!

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„Retrum“ von Francesc Miralles [Rezension]


Seit dem Tod seines Zwillingsbruders überlebt Christian mehr, als dass er wirklich lebt. Seine Zeit verbringt er allein, am liebsten auf einem Hügel in der Nähe des örtlichen Friedhofs. Als er eines Abends drei schwarz gekleidete Gestalten trifft, ist er fasziniert und erschreckt zu gleich. Wer sind sie und was machen sie nachts auf dem Friedhof? Um Mitglied in der Clique namens „Retrum“ zu werden, muss Christian eine Mutprobe bestehen. Doch was als Spiel beginnt, endet tödlich…

Mit „Retrum“ hat der spanische Autor Francesc Miralles einen atmosphärisch dichten und düsteren Roman geschaffen, der die Magie und Schönheit von Friedhöfen beschreibt.

Die Aufmachung des Buches ist sehr auffällig. Mit dem schwarzen Buchschnitt und den Grabsteinen und Kreuzen auf dem Cover bekommt man schon einen ersten Eindruck der Geschichte, denn diese gestaltet sich ebenfalls düster und geheimnisvoll.

Anfangs lernt man Christian kennen, der in seiner eigenen traurigen Welt lebt. Die Stimmung ist von Beginn an bedrückend, denn Christian fühlt sich schuldig am Tod seines Bruders. Mit seiner melancholischen, zurückhaltenden Art ist er sehr sympathisch. Man kann seine Gefühle gut nachvollziehen, so dass man schnell mit ihm mitfühlt.

Aber auch die anderen Figuren sind interessant. Allen voran die geheimnisvollen „Blassen“, wie sich Alexia, Lorena und Robert nennen. Auf Friedhöfen laufen sie schwarz gekleidet und weiß geschminkt herum und versuchen von den Toten Antworten zu bekommen.

Im Mittelpunkt des ganzen Romans steht das Thema Tod, das aus vielen verschiedenen Perspektiven betrachtet wird. Einerseits kann der Tod viel zu früh kommen, wie im Falle von Christians Bruder, und Schmerz und Leid hervorrufen. Andererseits bringt der Tod aber auch Ruhe und Frieden. Viele solcher Betrachtungen werden angestellt. Am Anfang eines jeden Kapitels stehen Zitate, die die Themen Tod und Sterben im Mittelpunkt haben, so dass auch die romantische und künstlerische Seite des Themas zum Ausdruck kommen.

Allerdings störten mich, die kurzen Kapitel von meist nur drei bis vier Seiten. Ich fühlte mich dadurch des Öfteren aus dem Lesefluss gerissen, denn häufig findet zwischen zwei Kapiteln ein Zeitsprung statt, so dass man sich immer wieder auf neue Situationen einstellen muss.

Der Autor versteht es jedoch eine dunkle, manchmal gruselige und bedrückende Atmosphäre zu kreieren. Die Stimmung auf Friedhöfen, von Gefahr bis Romantik, überträgt sich auf den Leser, so dass „Retrum“ während des Lesens fesselt.

Im letzten Drittel der Geschichte steigern sich die Spannung und ein Hauch von Grusel sehr, so dass man mit Christian mitfiebert. Jedoch empfand ich dieses Ende durch eine teilweise Vorhersehbarkeit als etwas enttäuschend. Es kam sehr abrupt und wirkte auf mich eher unrealistisch. Einige Fragen blieben offen und werden wohl erst in den folgenden Bänden beantwortet.

Insgesamt ist „Retrum“ eine durchaus spannende Geschichte mit einigen Schwächen, aber einer sehr dichten Atmosphäre.

Retrum in Internet: RetrumFans (Klick)

Vielen Dank an lies und lausch und den Loewe Verlag für das Leserundenexemplar!

Loewe

345 Seiten

„Retrum“ auf amazon

„In Liebe, Brooklyn“ von Lisa Schroeder [Rezension]


Seit einem Jahr ist Lucca tot. Für seine Freundin Brooklyn und seinen Bruder Nico ist seit dem nichts mehr, wie es vorher war. Sie trauern, jeder auf seine Weise. Doch seit noch ein Junge aus der Schule gestorben ist, quälen Brooklyn Albträume und Lucca erscheint seinem Bruder als Geist. Er bittet Nico Brooklyn zu helfen.

„In Liebe, Brooklyn“ von der US-amerikanischen Autorin Lisa Schroeder ist eine bewegende Geschichte über Trauer, Verlust, Liebe und einen Weg zurück ins Leben.

Anfangs war ich skeptisch, was die Versform der Geschichte betrifft. Schon beim ersten Durchblättern fällt sie auf. Die Geschichte liest sich erstaunlicher Weise, trotz dieser Form, angenehm flüssig, wie ein „normaler“ Roman. Während des Lesens wird dann die Wirkung dieser ungewöhnlichen Zeilenform erst deutlich. Die Buchstaben in Wörtern wie „tanzen“ sind versetzt über mehrere Zeilen geschrieben, so dass sie wirklich zu tanzen scheinen. Außerdem eröffnen Leerzeilen im Text Raum für eigene Gedanken und Gefühle, die in der Geschichte nicht explizit benannt werden, sich beim Lesen aber entwickeln. Dieser Stil – das Layout dem Inhalt anzupassen – wirkt nicht nur poetisch, sondern intensiviert die Gefühle.

Überhaupt birgt die Geschichte viele verschiedene Empfindungen, die mir während des Lesens sehr nahe gingen. Trauer und Verzweiflung über Luccas Tod, Angst vor den Träumen und Hoffnung und Zuneigung – alle Gefühle durchlebte ich während des Lesens mit. Doch die Trauer ist nicht erdrückend, denn es schwingt immer ein sensibler Humor mit, der mich während der Geschichte immer wieder lächeln ließ, egal wie traurig die Situation gerade war.

Durch die kleinen Seiten – das Buch ist ungefähr Postkarten groß – und den wenigen Text auf den einzelnen Seiten, ist die Geschichte relativ kurz. Die Autorin erzählt eine Geschichte mit wenigen Worten, doch schafft sie es dadurch viel mehr auszudrücken, als durch lange Beschreibungen. Es wird abwechselnd aus Brooklyns und Luccas Perspektive erzählt, wodurch ich mich beiden sehr nahe fühlte und sehr intensiv mit ihnen mitfühlen konnte.

„In Liebe, Brooklyn“ hat mich überrascht, denn das Buch ist nicht nur von außen wunderschön anzusehen, sondern birgt auch einen bewegenden und berührenden Inhalt.

Vielen Dank an lies und lausch und den loewe-Verlag für das Leserundenexemplar!

429 Seiten

loewe

„In Liebe, Brooklyn“ auf amazon

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