„Ein Haus ohne Bücher ist arm, auch wenn schöne Teppiche seinen Boden und kostbare Tapeten und Bilder die Wände bedecken.“ Hermann Hesse

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„Der Mann, der den Regen träumt“ von Ali Shaw [Rezension]


Nach dem Tod ihres Vaters gerät Elsas bisheriges Leben ins Wanken. Deshalb lässt sie alles hinter sich, um noch einmal neu anzufangen. Elsa zieht in einen kleinen Ort mitten im Gebirge namens Thunderstown. Als sie auf einem Berg sieht, wie sich ein junger Mann fast in Luft auflöst, will sie erst ihren Augen nicht trauen. Elsa ist fasziniert von dem Mann namens Finn und verliebt sich in ihn, gegen alle Anfeindungen der abergläubischen Einwohner. Schnell muss sie feststellen, dass das Wetter in Thunderstown ein rätselhaftes Eigenleben führt…

„Der Mann, der den Regen träumt“ ist der zweite Roman des britischen Autors Ali Shaw. Es handelt sich um keine Fortsetzung von „Das Mädchen mit den gläsernen Füßen“, sondern um eine eigenständige Geschichte.

Der Roman beginnt melancholisch leise, denn genauso fühlt sich Elsa. Der Verlust ihres Vaters hat sie tief getroffen, was man als Leser unmittelbar spürt. Elsas Gefühle werden vom Anfang bis zum Ende der Geschichte über die Worte direkt in das Herz des Lesers transportiert, wodurch ich mich mit Elsa verbunden fühlte. Ich konnte mich sehr gut mit ihr, ihren Zweifeln, Hoffnungen, Gedanken und Gefühlen identifizieren. Dadurch ging mir die Geschichte (besonders am Ende) sehr nahe.

Aber nicht nur Elsa war mir sympathisch, sondern auch Daniel, der einsame Bergjäger, deren einziger Lebensinhalt darin besteht, Ziegen zu töten. Genau wie Elsa hat auch er eine tragische Geschichte, die man Stück für Stück aus seinen Gedanken erfährt.

Besonders faszinierte mich an „Der Mann, der den Regen träumt“ die poetisch angehauchte Sprache. Sie liest sich leicht, flüssig, sehr bildhaft und ein bisschen entrückt und erinnert dadurch an den etwas weltfremden und unschuldigen Finn, der abseits von Thunderstown allein in einer Berghütte lebt.

Die Stimmung der Geschichte ist verträumt, wundersam und immer eine Spur melancholisch, denn neben den Schatten der Vergangenheit spürt man während des ganzen Romans das Damoklesschwert, das über Elsa und Finn hängt. Manche Szenen sind nämlich so erschreckend realistisch, dass man als Leser aus der träumerisch romantischen Stimmung, zurück in die Realität gerissen wird.

Ali Shaw hat mit seinem Roman eine ganz ungewöhnliche Geschichte geschaffen. Sie ist wunderschön, ein bisschen bizarr und besitzt einen ganz eigenen Charakter. Sowohl die Personen als auch die Handlung und die besondere Atmosphäre haben mich während des Lesens berührt und lassen mich nachdenklich und verträumt zurück.

4,5

Vielen Dank an vorablesen und den Script5-Verlag für das Rezensionsexemplar!

332 Seiten

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