„Ein Haus ohne Bücher ist arm, auch wenn schöne Teppiche seinen Boden und kostbare Tapeten und Bilder die Wände bedecken.“ Hermann Hesse

Beiträge mit Schlagwort ‘Zukunft’

„Sternenschimmer“ von Kim Winter [Rezension]


Schon als Mia Iason das erste Mal sieht, ist sie verzaubert. Mit seiner, auf der Erde einzigartigen Ausstrahlung, zieht er sie in ihren Bann, doch das beruht anfangs scheinbar nicht gerade auf Gegenseitigkeit. Auf Loduun, Iasons Heimatplanet, hat er Schreckliches erlebt, denn dort wird ein unerbittlicher Krieg geführt. Deshalb kam Iason schwer verwundet und zusammen mit vielen Kindern auf die Erde. Doch könnten Iason und Mia überhaupt eine Zukunft haben? Schließlich liegt seine Heimat Lichtjahre entfernt und als Wächter ist es seine Bestimmung Loduun zu beschützen…

Mit „Sternenschimmer“ ist Kim Winter ein wunderbar romantischer, spannender und aufwühlender Roman gelungen, der einen so schnell nicht wieder loslässt. Das Buch bildet den Auftakt zu einer wahrlich überirdischen Trilogie.

Zu Beginn fesselten mich die Beschreibungen der dystopischen Welt. Die Menschen müssen in Städten leben, die unter großen Kuppeln liegen, da die Ozonschicht vor vielen Jahren zerstört wurde. Außerdem hat man einen Planeten mit intelligenten Lebewesen entdeckt, die den Menschen ähnlich, aber doch ganz anders sind. Diese Zukunftsaussicht ist beeindruckend und interessant, denn sie wirkt ausgesprochen wahrscheinlich.

Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht der 17-jährigen Mia, die nur diese Welt kennt und in ihr lebt, so dass man sich gleich darin zu Hause fühlt und trotzdem die vielen liebevoll beschriebenen Details bestaunt, wie Flugschiffe oder Eisverpackungen, die das Eis auch in warmer Umgebung kalt halten.

Besonders gelungen fand ich die langsame Entwicklung von Gefühlen, die man als Leser miterlebt. Die Autorin versteht es Empfindungen durch Worte zu erzeugen, so dass man sich wunderbar in Mia einfühlen kann. Die Kinder wachsen ihr schnell ans Herz, aber Iason kann sie nur schwer einschätzen. Er ist ein sehr interessanter Charakter. Manchmal wirkt er nahezu menschlich, doch immer wieder scheint auch seine Überirdischkeit durch. Durch ihn erfährt man viel Interessantes und Erschütterndes über seine Heimat, die so ganz anders ist als die Erde.

Durch die Geschehnisse auf Loduun wird die Geschichte dann in der zweiten Hälfte zudem sehr spannend. Der Ausgang bleibt bis zum Ende des Buches ungewiss, immer neue überraschende Wendungen machen es unvorhersehbar. Man bangt und hofft mit den Figuren, denn sie wachsen einem beim Lesen sehr ans Herz. Jede Person hat ihre Eigenarten, die überzeugend dargestellt werden und z.B. in Gretas Fall auch sehr lustig.

Aber nicht nur Liebe, Überirdisches und Freundschaft spielen eine wichtige Rolle. Es geht auch um Ausgrenzung und soziales Engagement. Mia setzt sich gegen Tierversuche ein und ist nach der Schule für die loduunischen Kinder da. Damit ist sie ein tolles Vorbild. Auch werden Ablehnung, Vorurteile und Misstrauen deutlich, was viele Erdenbewohner gegenüber den Außerirdischen empfinden.

So ist „Sternenschimmer“ ein facettenreicher und einzigartiger Roman, der mich verzaubert und begeistert zurücklässt. Dank des flüssigen Schreibstils  waren selbst die 576 Seiten viel zu schnell vorbei. Nun warte ich sehnsüchtig auf den zweiten Teil, der voraussichtlich im Mai unter dem Titel „Sternensturm“ erscheinen wird.

Planet Girl

576 Seiten

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„Zweilicht“ von Nina Blazon [Rezension]


Der 17-jährige Jay verbringt ein Auslandsjahr in New York. Vor einigen Monaten starb sein Vater dort bei einem Verkehrsunfall. Aber war es wirklich ein Unfall? Die kryptischen Botschaften seines Vaters lassen Jay nicht los. Außerdem verliebt er sich gleich am Anfang in die schöne Madison. Doch immer wieder taucht Ivy auf, ein Mädchen, dass nur er sehen kann und an die er immer wieder denken muss. Durch Ivys Hilfe lernt Jay ein ganz anderes New York kennen.

Nina Blazon erzählt in ihrem Roman „Zweilicht“ die Geschichte eines Jungen der sich entscheiden muss, nicht nur zwischen zwei Mädchen, sondern auch zwischen zwei Welten…

Schon das Cover des Buches sieht geheimnisvoll aus: Ein Mädchen blickt zwischen Ranken hindurch. Es wirkt, als gehöre es in eine andere Welt. Genauso mysteriös gestaltet sich der Einstieg, denn zunächst erlebt man, wie Mo, Cinna und Night Jay beobachten, während er schläft. Doch es wird schnell klar, dass die drei keine Menschen sind.

Anschließend lernt man Jay kennen. Er geht in Brooklyn zur Highschool und lebt bei seinem Onkel und seinem Cousin. Mit seinem ruhigen, aber bestimmten und etwas verträumten Wesen war er mir von Beginn an sympathisch. Alles wirkt relativ normal, bis Ivy auftaucht und beginnt Jays Leben und seine Gefühle durcheinander zu wirbeln. Ich konnte mich wunderbar in seine zwiespältigen Gefühle hineinversetzen, denn die Autorin beschreibt diese anschaulich und nachvollziehbar.

Doch dann kommt der Bruch. Nina Blazon wagt viel, denn alles verändert sich plötzlich. Als Leser ist man völlig verwirrt, genau wie Jay, der nicht mehr weiß was wahr und was Traum ist, wer Freund und wer Feind. Als Leser muss man in diesem Moment darauf vertrauen, dass man wieder festen Boden unter den Füßen bekommen wird, was nach und nach auch passiert.

Wenn man sich so völlig in die Geschichte fallen lassen kann, wird man mit einer eindrucksvollen Welt und einer fantastischen Geschichte voller neuer Eindrücken, Spannung und Gefühlen belohnt. Die Atmosphäre ist geheimnisvolle und bedrohlich zugleich und zusammen mit Jay erlebt man eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Durch den flüssigen und zarten Schreibstil kommen einem auch die vielen anderen Personen nahe, so dass ich sehr viele von ihnen ins Herz schloss.

Mit „Zweilicht“ hat Nina Blazon wieder eine fantastische Geschichte erschaffen, die voller Überraschungen steckt. Viele Personen, wie die Holländerin mit dem Kleid aus Zeitungsartikeln, lassen die Geschichte sehr liebevoll wirken und machen sie zu etwas ganz besonderem.

Vielen Dank an den cbt-Verlag für das Rezensionsexemplar!

416 Seiten

cbt

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„Das verbotenen Eden. David und Juna“ von Thomas Thiemeyer [Rezension]


2080. Nach einer Viruserkrankung vor 65 Jahren leben Frauen und Männer getrennt voneinander. Sie hassen sich und haben sich eigene Gesellschaftssysteme aufgebaut. Doch immer wieder kommt es zu sogenannten „Landernten“ in denen die Männer die Dörfer der Frauen ausrauben. Der ausgehandelte Frieden steht auf Messers Schneide und droht zu zerbrechen…

In „Das verbotene Eden. David und Juna“ erzählt Thomas Thiemeyer die Geschichte einer düsteren Zukunft, in der das Ende der Menschheit naht.

Zu Beginn der Geschichte lernt man zunächst die dystopische Welt kennen, in der die Protagonisten, David und Juna, leben. Obwohl die Welt der beiden in der Zukunft liegt, herrscht eine ähnliche Situation wie im Mittelalter. Die Frauen haben sich in die Natur zurück gezogen und die Männer leben in der verfallenen Stadt. Thomas Thiemeyer beschreibt die Welt sehr düster, denn durch die erbitterte Feindschaft, scheint das Ende der Menschheit besiegelt.

Abwechselnd liest man aus Junas und aus Davids Perspektive, so dass man beide Gesellschaften kennenlernt. Besonders die der Männer hat mich während des Lesens erschreckt. Auf beiden Seiten wird Hass gepredigt, bei den Männern sogar im Namen der Kirche.

Die Idee, dass sich die Gesellschaft spaltet, ist einzigartig und völlig neu. Daher fand ich es sehr spannend, wie der Autor diese Idee umsetzt. In der ersten Hälfte des Buches lernte man so die Welt kennen, was eine sehr interessante, aber auch erschreckende Erfahrung ist. Während sich in den meisten Dystopien alles weiter entwickelt hat, leben die Menschen in „Das verbotene Eden“ sehr rückständig. Es ist erschreckend, wie wahrscheinlich die Geschichte wirkt, denn geldgierige Pharmakonzerne und mutierende Viren sind auch heute schon real.

Der Schreibstil Thiemeyers ist sehr angenehm und flüssig zu lesen. Schade fand ich nur, dass ich mich wenig in die Figuren hinein fühlen konnte, was sicherlich auch an der Erzählsituation lag, denn es handelt sich um einen Er-/Sie-Erzähler. So konnte die Welt Junas und Davids gut beleuchtet werden, doch ihr Innenleben blieb dabei etwas auf der Strecke. Der Schwerpunkt lag meines Empfindens mehr auf der zukünftigen Welt als auf der Liebesgeschichte.

„Das verbotene Eden“ kann man nicht mit den anderen Werken des Autors vergleichen. Es ist eine völlig andere Geschichte als z.B. die „Weltensucher Chroniken“ und hat dem entsprechend auch einen ganz eigenen Stil, auf den man sich völlig neu einlassen kann.

Voraussichtlich in einem Jahr folgt der zweite Band der Trilogie, an dem der Autor zurzeit schreibt. Er wird den Namen „Gwen und Logan“ tragen, was mich sehr freut, denn Gwen war während des Lesens eine meiner Lieblingspersonen.

Vielen Dank an lies-und-lausch und an den Pan-Verlag, für die nette und anregende Leserunde!

Pan 

464 Seiten

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